Jan 16 2013

Danke, ich bin bedient

Über die Tage rund um Silvester 2012/2013 waren wir in Berlin, und während wir abends “in den Ausgang gingen” (wir sind also ausgegangen), wurden wir unter den Freunden und Bekannten ein bisschen als das Kuriosum aus der Schweiz herumgereicht. Sprich, praktisch jeder wollte etwas darüber erfahren, welche Unterschiede uns bisher so im alltäglichen Leben zwischen Deutschland und der Schweiz besonders aufgefallen wären. Neben den entsprechenden Fragen nach den verschiedenen Deutschschweizer Dialekten und wie wir damit zurechtkämen ging es dabei auch immer wieder um zwar scheinbar hochdeutsche, nichts desto trotz aber typisch schweizerische Begriffe.

Ein besonders einprägsames Beispiel ergibt sich eben aus dem Besuch eines Restaurants oder einer Gaststätte. Die Bestellung gibt man hierzulande bei der Serviertochter auf (hochdeutsch: bei der Kellnerin; einen entsprechenden Helvetismus für den Kellner habe ich bislang jedoch noch nicht vernommen). Dabei sollte man unbedingt beachten, dass der tägliche Umgang miteinander in der Schweiz noch erheblich von einer gewissen grundlegenden Höflichkeit geprägt ist. Auf keinen Fall sollte man nach typisch Rheinländischer Art mit der Formulierung “Ich bekomme ein Bier und das Wiener Schnitzel” ordern, denn das käme quasi schon einer direkten Beleidigung gleich. Eine korrekte Formulierung für dieselbe Bestellung wäre hingegen “Ich hätte gern eine Stange und das Wiener Schnitzel, wenns recht ist”, und wenn die Dame anschliessend schon einmal die Getränke bringt, bedankt man sich freundlich mit einem “Merci vielmal”.

Für deutsche Ohren richtig kurios wird es aber erst, sobald die Speisen serviert sind: während man schon fröhlich am Schmausen ist, kommt die Serviertochter unter Garantie nochmals vorbei, um sich nach dem Wohlbefinden zu erkundigen, und zwar mit der Frage “Sind Sie bedient?”

Hiermit ist mitnichten gemeint, ob man die Nase voll habe, sondern im Gegenteil, ob das Essen schmeckt und ob man eventuell noch einen weiteren Wunsch habe.

Wenn ihr dann zum guten Schluss die Rechnung bestellt und zu mehreren am Tisch sitzt, werdet ihr regelmässig gefragt, “Gemeinsam oder separat?” – man beachte, dass es nicht “Alles zusammen oder getrennt?” heisst.
Und da es in diesem Kontext auch so schön passt: wie in praktisch allen anderen Ländern auch, stellt sich für den Neuzuzüger oder den Touristen die Frage nach den Trinkgeld-Gepflogenheiten. Hier gilt als Faustregel: beim einfachen Mittagstisch oder der einfachen Pizzeria oder Dönerbude (ja, die gibt es hierzulande ebenfalls, jedoch sollte man sich sehr schnell vom Gedanken verabschieden, für schlappe 2,50 satt zu werden, sondern schon für die einfache Dönerbrottasche auf die Hand mindestens 8 CHF einplanen) rundet man krumme Rechnungsbeträge einfach auf den nächsten vollen Franken auf, und wenn die Rechnung dummerweise auf “xxx.90″ lautet, gibt man vielleicht noch einen Franken dazu. Im abendlichen Ausgang und wenn der Rechnungsbetrag sich dem dreistelligen Bereich nähert (was man schon zu zweit schnell mit Vorspeise, Hauptgang, Dessert, einer Flasche Wein und je zwei Cola erreichen kann), legt man noch eine Kleinigkeit drauf. Mehr als 5% Trinkgeld sind hier jedoch unüblich und erzeugen schnell mal ein Heben der Augenbrauen.

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Jan 03 2013

Frohes neues Jahr

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes und hoffentlich vielversprechendes, erfolgreiches neues Jahr.

Im letzten Jahr ist es hier zugegebenermassen extrem ruhig gewesen (um nicht zu sagen, ich habe absolut nichts hier geschrieben), da wir doch alle Hände voll zu tun hatten mit unserer kleinen Tochter, die wie ausser Rand und Band wächst und gedeiht. Punktgenau heute ist sie eineinhalb Jahre alt geworden und beginnt seit einigen Tagen mit ersten ernsthaften Sprechversuchen, nachdem sie gemerkt hat, dass sie mit den sechs bisherigen Vokabeln und “öhöhöh” inkl. Draufzeigen nicht mehr viel weiterkommt.

Wir haben uns zwischenzeitig in der Schweiz sehr gut eingelebt und haben inmitten unserer Nachbarn inzwischen viele gute Bekannte gefunden und auch erste Freundschaften geknüpft. Berücksichtigt man, dass man immer wieder davon liest, wie schwierig der Anschluss und die Integration insbesondere vielen Deutschen fällt, haben wir da also wohl ziemliches Glück gehabt.

Ein neues Jahr darf natürlich nicht ohne gute Vorsätze begonnen werden, und daher habe ich mir zum Ziel gesetzt, hier dieses Jahr endlich wieder aktiver zu werden. Meine kleine Einführung, an was man alles bei der Planung einer Schweiz-Auswanderung denken sollte, ist ja auch noch lange nicht am Ende angekommen, und ich denke daran, den Themenkreis auch noch etwas zu erweitern, da mich auch diverse finanzielle Themen ja seit etlichen Jahren reizen.

Wie seid ihr im neuen Jahr angekommen? Gibt es spezielle Themen, die euch rund ums Thema Auswanderung interessieren, über die ich dieses Jahr unsere Erfahrungen mit euch teilen soll? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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Sep 29 2011

Die Zügelei

Bis auf den Dortmunder Spacken interessierte niemanden von Anfang an der genaue Termin, die grobe zeitliche Einordnung „wahrscheinlich in der letzten Märzwoche“ reichte vorerst vollkommen aus, und das war auch gut so, denn wie ich ja schon geschrieben hatte, befand sich unsere Wohnung in der Schweiz ja noch im Bau, und wir wussten daher ja auch noch gar nicht, ob der Zeitplan überhaupt aufgehen würde.

Zeitplanung

Parallel zur Organisation der Zügelei begannen wir auszumisten – bei einigen Möbelstücken stand fest, dass sie einen erneuten Ab- und Aufbau sowie den Transport in die Schweiz eh nicht überstehen würden, und wir trennten uns von sechs randvollen Altkleidersäcken alter Klamotten.

Mal wieder ein kleiner Tipp am Rande: Mit dem Entrümpeln von Keller und Dachboden beginnen und sich erst dann um die eigentliche Wohnung kümmern. Erfahrungsgemäss stapelt sich dort das meiste Zeug, das man entsorgen kann, und ebenfalls quasi ein ungeschriebenes Gesetz ist es, dass am Ende die Zeit knapp zu werden pflegt. Viele Leute stapeln daher von Umzug zu Umzug immer mehr Ramsch, den man eigentlich längst hätte entsorgen können.

Ende Februar lieferte uns die Spedition die Umzugskartons inkl. Packmaterial. Wie vorab besprochen, handelte es sich um gebrauchte professionelle Speditionskartons, die im Mittel deutliche Gebrauchsspuren aufwiesen, aber durch die Bank sauber und stabil waren und ihren Zweck, noch einmalig einen Transport zu überstehen, voll erfüllen würden. Jeder Karton verfügte über einen sauberen grossen Aufkleber, auf dem man den Inhalt und das Zielzimmer vermerken konnte, und das beigelegte Packmaterial (jede Menge Seidenpapier und spezielle Wellpappeblätter fürs Einrollen von Gläsern und Tassen) war so umfangreich ausgelegt, dass wir nun noch genug für einen weiteren Umzug übrig haben.

Zwischen all den anderen noch zu erledigenden Dingen konnten wir so ab Anfang März mit dem Einpacken unseres Hausrats beginnen. Damit die Kartons nicht überall im Weg herumstehen würden, räumten wir unsere Essdiele aus; so konnten wir nahezu sämtliche Kartons ordentlich und stabil in diesem „Halb“zimmer stapeln. Wie im letzten Post als Tipp schon genannt, wurde jeder Karton auf allen sichtbaren Flächen nummeriert und auf dem Aufkleber und einer der Schmalseiten grob der Inhalt angegeben – alle Angaben wurden parallel dazu in einer Liste aufgenommen.

In der ersten Märzwoche erhielten wir dann Post von unserem neuen Vermieter mit dem genauen Übergabetermin. Da quasi zeitgleich insgesamt 22 Wohnungen in 2 brandneuen Gebäuden bezugsbereit und übergeben wurden, wollte die Verwaltung idealerweise auch gleich Zeitfenster fürs Zügeln zuteilen (keine Ahnung, in wie weit dies für die Schweiz repräsentativ ist, für uns Deutsche mutet das auf jeden Fall erst einmal ungewohnt an). In unserem Schreiben stand etwa folgender Wortlaut: „Wir möchten am 30.03. um 11:00 Uhr die Wohnungsübergabe mit Ihnen durchführen; direkt im Anschluss können Sie dann in Ihre neue Wohnung zügeln“, und „wir bitten um Rücksichtnahme auf Ihre Mitmieter, da an jedem Tag bis zu drei Übergaben stattfinden“.

Tja, da hatten wir anscheinend ein Problem. Der vorgeschlagene Übergabetermin war zwar vollkommen in Ordnung (wenngleich unser Terminplan damit absolut auf Kante genäht war, da ich ja schon am 01.04. meinen ersten Arbeitstag haben würde), aber der Passus mit dem direkt anschliessenden Einzug gefiel uns gar nicht. Also rief ich bei der Verwaltung an und erkundigte mich sicherheitshalber, ob das wirklich so gemeint wäre wie wir es interpretierten. „Ja, natürlich“, lautete die Auskunft. „Tja, tut mir schrecklich leid, aber dann haben wir ein Problem – wir zügeln ja nicht nur ein paar Kilometer wie die meisten anderen, sondern kommen über fast 700 km entfernt aus Deutschland. Unsere Spedition muss am Vortag einpacken und fährt über Nacht bis zur Grenze, und voraussichtlich ab 8 Uhr wären die dann vor Ort. Ich kann ein halbes Dutzend Leute nicht vier Stunden lang einfach däumchendrehend da warten und sitzen lassen, wer soll das denn bezahlen?“ – „Oh, das haben wir in der Tat nicht bedacht. Ja, hm, lassen Sie mich bitte mal schauen…..(fängt an zu räumen und zu kramen)“.

Ich wiederum: „Bitte, ich möchte Ihnen da auch keine riesigen Umstände machen, Sie haben da ja offenbar schon alles organisiert. Wie viele Parteien zügeln denn am 31.03.?“ – „Niemand.“ – „Na ist doch perfekt, was halten Sie denn von folgendem Vorschlag? Wir führen die Übergabe durch wie von Ihnen geplant, aber ich lasse unseren Hausrat dann erst am 31. kommen – so stören wir mit dem dicken Laster dann auch keine unserer Nachbarn.“ – „Ja, das ist eine super Idee, so können wir das machen. Ich halte das bei uns schriftlich fest, dann passt das“. Mit dieser Lösung fiel uns ein Stein vom Herzen, entsprach die Vorgehensweise doch auch eher unserer eigenen Planung.

Direkt im Anschluss teilte ich der Spedition den endgültigen Termin mit. Bis Mitte März brauchten die dann zur Vorbereitung der Zollformalitäten noch diverse zuvor besprochene Unterlagen von uns:

  • Vollständig ausgefülltes und unterschriebenes Zollformular 18.44 inkl. Übersiedelungsgutliste
  • Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung (gibt es für EU15/EFTA-Bürger formell nicht mehr, allerdings erhält der zukünftige Arbeitgeber nach Einreichung des Antrags immer noch ein Schreiben zur Bestätigung des vollständigen Eingangs aller erforderlichen Unterlagen, und das nimmt der Zoll gerne als informelle Zusicherung)
  • Kopie des Arbeitsvertrags (Beträge können geschwärzt sein)
  • Kopie Abmeldebescheinung aus Deutschland
  • Kopie Reisepässe aller einwandernden Familienmitglieder
  • Kopie Mietvertrag

Je mehr dieser Unterlagen verfügbar sind, desto besser. Für die Vorabüberstellung der Unterlagen reichen Scans bzw. Fotokopien völlig aus, lediglich 18.44 und die Übersiedelungsgutliste muss der Fahrer der Spedition am Tag der Überführung der Sachen im Original mitführen.

Unsere endgültige Planung: ich reise am 29.03. mit dem Wagen, Brotbackautomat samt Stromadapter, ein paar Lebensmitteln und unseren wertvollsten Dokumenten in die Schweiz und übernachte bei einem Bekannten von M. an der Zürcher Goldküste. Von dort aus fahre ich am 30.03. dann weiter und wickle die Wohnungsübergabe ab, um anschliessend einige Besorgungen zu erledigen und Brot für die Möbelpacker als Verpflegung vor Ort zu backen. Gleichzeitig rückt die Spedition am 30.03. an unserer alten Wohnung an und räumt sie leer, überwacht von M.. Die Spediteure bringen den LKW anschliessend auf ihren Werkshof, gehen früh schlafen und beginnen gegen 22 Uhr die Reise Richtung Deutsch/Schweizer Grenze Weil am Rhein, wo sie in den frühen Morgenstunden des 31.03. ankommen. Ankunft im Raum Luzern bei unserer neuen Wohnung dann am Vormittag, wo dann der LKW entladen und alle Möbel am richtigen Platz wieder montiert werden.

M. musste noch bis Mitte Mai in Deutschland bleiben, bis ihr Mutterschutz begann. Daher blieben einige wenige Sachen in unserer alten Wohnung, in der sie es sich dann für die nächsten sechs Wochen „gemütlich“ machen würde. Für die Nacht vom 30. auf den 31. in unserer noch komplett leeren neuen Wohnung hatte ich aufblasbares Bett, Isomatte und Schlafsack dabei.

Der Zügeltag

Die Realität lief denn auch beinahe exakt wie geplant ab. Am Tag vor meiner Ausreise meldete ich mich vollständig in Deutschland ab, eine Kopie der Abmeldebescheinigung reichte ich noch bei der Spedition ein (man sollte die Bescheinigung unbedingt hochauflösend einscannen und gut und sicher archivieren – später gibt es noch etliche nützliche Anwendungsfälle für das Ding). Die Spedition wiederum sorgte am selben Tag noch für ein amtliches Parkverbot vor unserer Wohnung und rückte pünktlich zum Einpacken an, während ich parallel dazu in Malters die Wohnung entgegen nahm (alles fein säuberlich auf einer fünf Seiten langen Übergabeliste schriftlich fixiert). Ungeplant war lediglich die lange Wartezeit an der Grenze am darauf folgenden Morgen, so dass der LKW nicht wie geplant um 08:00 Uhr, sondern erst gegen 11 in Malters ankam. Dennoch wurden die Leute der Spedition zeitig fertig, Ausladen des LKW und Aufbauen der Möbel dauerte gerade einmal bis 15 Uhr.

Anmeldung, Strom, Telefon/Internet, Eingewöhnen

Am 01.04. meldete ich mich auf der Gemeinde an. Das muss innert acht Tagen ab Datum der Einreise erfolgen und schliesst die Beantragung der Aufenthaltsbewilligung ab. Daher muss man zur Anmeldung auch ein biometrisches Passfoto mitbringen. Zusätzlich hatte ich noch Kopien unseres Mietvertrags und meines Arbeitsvertrags dabei. Zwei Wochen später erhielt ich Post vom Bundesamt für Migration in Luzern mit einem Termin zum persönlichen Vorstellungsgespräch direkt nach Ostern, in dessen Anschluss ich dann meine B-Bewilligung ausgehändigt bekäme.

Beim Gemeindeamt erhielt ich eine dicke Willkommensmappe mit etlichen Informationen rund um die Gemeinde, einen Abfallkalender, zur Mülltrennung und und und – und ein Anmeldeformular zur Billag. Das ist die hiesige Form der deutschen GEZ und anders als diese nicht gerätebezogen, sondern eine Haushaltsabgabe, der man nicht entgehen kann. Es ist dringend davon abzuraten, einen solchen Versuch zu unternehmen, denn das wäre quasi zwangsläufig zum Scheitern verurteilt und kostet schlanke 5‘000 Stutz extra. Die reguläre Billaggebühr beträgt 38.55 CHF pro Monat, und derzeit wird von monatlicher Rechnungstellung auf eine jährliche Vorauszahlung umgestellt. Die Billaganmeldung habe ich noch am gleichen Tag ausgefüllt und eingeworfen – für den April mussten wir effektiv keine Gebühren zahlen, für Mai gab es noch eine Monatsrechnung, und zum Juni traf uns dann schon die Umstellung auf die Jahresgebühr, die allerdings mit einem Zahlungsziel von mehr als 90 Tagen erst jetzt im September beglichen werden muss.

Um die Anmeldung beim örtlichen Stromanbieter (so offen wie in Deutschland ist der hiesige Markt nicht, de fakto herrschen hier überwiegend noch Gebietsmonopole vor) hat sich unser Vermieter gekümmert; man sollte aber sicherheitshalber „seinen“ Stromzähler im Haus ausfindig machen und den Zählerstand direkt beim Einzug notieren.

Eine sehr wichtige Beschaffung hingegen, die ich schnellstmöglich erledigen wollte, war die Versorgung mit Telefon und Internet. Das sollte man wirklich asap erledigen, denn anderenfalls fressen einen die Roaminggebühren eines stattdessen vorerst weiter genutzten deutschen Mobilfunkangebots buchstäblich auf. In nur zehn Tagen und weniger als 30 Minuten echter Telefonierzeit mit M. habe ich mehr als 45 EUR durch den Kamin gejagt, zum Grossteil halt wegen unverschämt hoher Roaminggebühren, die seitens callmobile ausserhalb der EU einkassiert werden.

Gross ist die Auswahl hier anders als in Deutschland nicht. Eigentlich hat man fast nur die Wahl zwischen Swisscom (der hiesige Platzhirsch für Festnetz und DSL), UPC Cablecom (der Platzhirsch in Sachen Kabelfernsehen und Internet übers Kabel) und einigen lokalen Kabelnetzbetreibern. Da unser Kabelanschluss schon als Nebenkostenbestandteil der Miete abgerechnet wird (und der Anbieter eben genau einer dieser Lokalanbieter ist), fiel Cablecom aus der Rechnung gleich raus. Swisscom sagte mir einfach nicht zu (sehr teuer für deutsche Verhältnisse, der Telefonanschluss hätte unter Beizug eines Elektrikers – was für sich schon einige hundert Stutz extra kostet – aktiviert werden müssen, und ich hätte irgendwie die Firmware unserer Fritzbox 7270 auf AnnexA umpatchen müssen. Im Vergleich dazu war das Angebot des Kabelanbieters ein Schnäppchen: Telefonie mit einer Semiflat (1‘000 min/Monat inkl.) und Internet mit 12 MBit down / 800 KBit up als Vollflat für 84.00 CHF pro Monat, fürs Kabelmodem fällt nur eine einmalige Kaution von 120 CHF an, und der Vertrag ist jährlich kündbar. Die Fritzbox lässt sich problemlos als Router „hinter“ dem Kabelmodem weiternutzen, und sogar der Telefonanlagenteil ist mit etwas Bastelei (man muss sich selbst ein passendes Kabel crimpen) direkt nutzbar.

Wie lange es dauerte, bis ich den Anschluss nutzen konnte, fragt ihr? Nun, am 06.04. bin ich in den örtlichen Laden zur Beauftragung des Anschlusses, zwei Tage später sollte ich das Kabelmodem abholen kommen, und noch am selben Abend war der Anschluss schon „scharf“ und freigeschaltet.

Will man anschliessend nicht innert kurzer Zeit mit etlichen Werbeanrufen bombardiert werden, sollte man es in Erwägung ziehen, den Eintrag im Telefonbuch mit einem Sternchen versehen zu lassen (bedeutet so viel wie „bitte keine Werbeanrufe“ und ist sogar halbwegs wirksam) sowie sich in die Robinsonliste der Werbewirtschaft eintragen (die hält nicht nur den Anrufbeantworter, sondern gleich auch den Briefkasten mit sauber).

Praxistipp VoIP

Zum Abschluss heute noch ein sehr wertvoller Tipp, um die Telefoniekosten mit den Freunden und Verwandten in Deutschland zu senken: legt euch, idealerweise noch vor der Auswanderung, also so lange ihr noch eine deutsche Hauptanschrift habt, einen Voice over IP Account mit deutscher Telefonnummer zu. Ich habe das beispielsweise bei Sipgate gemacht, geht dank automatisierter Abfrage der Wohnanschrift bei der Schufa online in Minutenschnelle. Damit habt ihr dann innerhalb der Schweiz eure Schweizer Festnetznummer, und für Telefonate nach Deutschland telefoniert ihr konsequent mit der VoIP-Nummer. Bei uns macht das einen Unterschied von 0.10 CHF pro Minute gegenüber 1.79 €c / min, also gut 80 Prozent Preisersparnis. Und umgekehrt können die deutschen Freunde und Verwandten üblicherweise für lau bei euch anrufen, da in Deutschland ja inzwischen fast jeder eine echte Flatrate ins Festnetz hat (und ihr habt ja eine deutsche VoIP-Nummer mit deutscher Ortsvorwahl, gell).

In unserer Fritzbox kann man das dann auch noch toll konfigurieren, dass je nach angerufener Nummer das passende Mobilteil bimmelt, und durch Wahlregeln kann die Box auch selbständig feststellen, wann ihr nach Deutschland telefoniert (und wählt dann selbst zwischen Festnetz und VoIP).

So gaaaaanz sauber ist der Trick zwar nicht, weil man genau genommen keine deutsche Festnetznummer mehr haben darf, wenn man keinen deutschen Wohnsitz mehr sein eigen nennt – falls einen gar zu sehr das schlechte Gewissen plagen sollte, kann man aber die Nummer ja auch einfach auf Eltern oder Geschwister in Deutschland laufen lassen.

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Sep 26 2011

Umzug organisieren

Nach längerer Pause finde ich endlich einmal wieder etwas Zeit, hier weiter zu schreiben. In den letzten Posts habe ich ja schon viele wichtige Aspekte beschrieben, nun geht es so langsam aber sicher ans Eingemachte, nämlich die Organisation des eigentlichen Umzugs.

Zur Wahl stehen hier klassisch zwei Varianten, nämlich das Anmieten eines passend dimensionierten Kleinlasters und komplett eigenhändiger Abbau der Möbel, Verladung, Transport und Wiederaufbau in der neuen Wohnung, bzw. die komfortablere (aber auch zumeist deutlich teurere) Variante, kurzerhand eine Umzugsspedition zu beauftragen.

Egal, für welche Variante man sich entscheidet, in jedem Fall gilt es, eine sogenannte Umzugsgutliste zu erstellen, die bei der Einreise dem Schweizer Zoll vorgelegt werden muss. Es lohnt sich also, diese Liste möglichst frühzeitig aufzustellen, hilft sie doch unter anderem auch bei der korrekten Einordnung, wie gross beispielsweise der Kleinlaster werden muss, bzw. mit welchen Kosten man bei der Spedition zu rechnen hat.

Was gehört auf diese Liste?

Aufzulisten ist praktisch der gesamte Hausrat, den man mit in die Schweiz einführen möchte, also sämtliche Möbel, Kleidung, Spielzeug, Lebensmittelvorräte, Geschirr etc.. Auch wenn ihr nicht direkt alles mitnehmen werdet, muss die Liste dennoch vollständig sein, da man zwar bis zu eineinhalb Jahre nach dem ersten Einreisetag noch sogenannte Teileinfuhren durchführen darf, der Schweizer Zoll möchte aber direkt bei der Einreise wissen, was ihr alles einzuführen gedenkt. Bei den Lebensmitteln sind insbesondere bei Alkohol, Tabak, manchen Pflanzen etc. spezielle Limite und ggf. Auflagen zu berücksichtigen. Genaueres erfahrt ihr auf den Webseiten des Schweizer Zolls.

Erstaunlich ist, dass beim normalen privaten Reiseverkehr recht strikte Limite für Wein, Bier und härtere Alkoholika sowie Tabakwaren bestehen, die unbeanstandeten Maximalmengen bei der Deklaration als Übersiedelungsgut hingegen recht grosszügig dimensioniert sind. So darf man bis zu 200 Liter Wein oder Bier (sogenannte „haushaltsübliche Menge“) mit einführen – das haben wir als Weintrinker natürlich ausgenutzt.

Achtung bei Neuwaren: Als Übersiedelungsgut gelten ausschliesslich Dinge, die sich zum Einreisezeitpunkt seit mindestens sechs Monaten in eurem Besitz befinden. Es ist also anzuraten, bei noch extrem neu wirkenden Sachen sicherheitshalber die Originalrechnung parat zu haben, falls sich ein Zöllner doch einmal den Inhalt des LKW genauer anschauen möchte. Alle Gegenstände, die ihr innerhalb der letzten sechs Monate vor der Einreise angeschafft habt, müssen regulär verzollt werden. Das gilt übrigens auch für eure(n) PKW(s) – dazu aber in einem eigenen Post beizeiten mehr.

Wie ausführlich muss die Liste sein?

Es reicht offiziellen Angaben auf den Webseiten des Schweizer Zolls zufolge vollkommen aus, wenn die Liste grob strukturiert euren Hausrat auflistet, also z.B. „eine Waschmaschine, ein Wäschetrockner, ein Bett 160x200cm, zwei Kleiderschränke 60x100x235cm, 20 Kartons Kleidung, 5 Kartons Lebensmittel, drei Kartons Geschirr, Besteck, Gläser und Tassen, ein Peugeot 307 2.0l Automatik, BJ 2005“.

Für euch selbst solltet ihr dann während des Einpackens all eurer Sachen in die zig Kartons eine Liste erstellen, was in welchem Karton landet (Kartons durchnummerieren nicht vergessen!) und in welches Zimmer in der neuen Wohnung die einzelnen Kartons getragen werden sollen. Jeder Karton selbst sollte neben seiner Nummer und dem Zielzimmer ebenfalls grob seinen Inhalt auflisten. Erstens habt ihr es dann später beim Auspacken der wichtigsten Haushaltsgegenstände einfacher, und zweitens freut sich ein übereifriger Zöllner dann, falls er doch mal einen Blick in den LKW wirft, über eure detaillierte Vorarbeit, die ihm die Stichproben sehr erleichtert (und im Geiste wird er sich wahrscheinlich über die wie immer überfleissigen Gummihälse kaputt lachen).
Zur Liste gehört dann auf jeden Fall noch das vollständig ausgefüllte Zoll-Formular „Übersiedelungsgut“ mit der Nummer 18.44. Die Werte für Schätzwert und ungefähres Gewicht sollten halbwegs plausibel sein, müssen aber nicht wirklich exakt sein.

Selber machen oder Spedition?

Es hängt nicht zuletzt von euren finanziellen Mitteln und euren persönlichen Vorlieben ab (es soll ja Leute geben, die es als spannendes Hobby betrachten, bei sommerlichen Temperaturen mit einem LKW stundenlang an einer EU-Aussengrenze zu warten), wie ihr die Übersiedelung organisiert. Für jemanden, der eh schon grenznah auf deutscher Seite gelebt hat und nun in die grenznahe Schweiz zügeln will, kann es sich durchaus rechnen, alles selbst zu machen. Für uns mit unseren fast 700km Distanz war das nichts, wir haben uns von Anfang an auf die Beauftragung einer erfahrenen Spedition konzentriert. Ein Mietlaster für unseren Hausrat wäre inkl. Sprit und Kilometern zwar auf „nur“ etwa 1‘000 EUR gekommen, dafür hätten wir aber auch erheblich mehr Zeitaufwand und Stress mit allem gehabt.

So beschränkte sich unser Stress in erster Linie auf das Finden des passenden Auftragnehmers. Dazu sind wir ab Anfang Januar zweigleisig vorgegangen. Auf der einen Seite haben wir eine sogenannte Umzugsauktion gestartet – nicht etwa, um ernsthaft übers Internet „unseren“ Auftragnehmer zu finden, sondern einfach, um ein Gefühl für das Preisgefüge zu bekommen. Das Prinzip ist einfach und funktioniert ähnlich wie eine Niederländische Tulpenauktion oder Handwerker-Websites wie MyHammer und Co.: man muss eingeben, von wo nach wo man zügeln möchte, wann das geschehen soll, wie die Zufahrten an beiden Orten sind und insbesondere welcher Hausrat zu transportieren ist (spätestens an diesem Punkt angekommen werdet ihr also zwangsläufig eine recht genaue Liste eures Hausrats erstellen), und nach und nach melden sich verschiedene Speditionen mit ihren Preisvorstellungen (anonymisiert, versteht sich, da die Plattform als Vermittler ja eine Provision kassieren möchte). Erstaunlich ist das so ermittelte Preisspektrum: bei uns ging es von knapp 2‘000 EUR bis zu 4‘500 EUR, und liess man diese beiden Ausreisser aussen vor, lag der Mittelwert zwischen 2‘700 und 2‘900 EUR.
Es bleibt euch als Veranstalter der Auktion zum Schluss dann selbst überlassen, ob ihr mit einem oder mehreren Bietern Kontakt aufnehmen wollt, und wenn, dann muss das auch nicht zwingend der optisch billigste Bieter sein. Wir hatten bei der Idee, irgendeine vollkommen fremde Klitsche zu beauftragen, die womöglich noch hunderte Kilometer entfernt von unserer alten Wohnung sitzt (einige Gebote erhielten wir ernsthaft aus der Nähe der polnischen Grenze), einfach kein gutes Gefühl, sondern wollten bewusst auf persönliche Betreuung aus der Nähe setzen.

Daher haben wir uns auf der anderen Seite parallel zur Auktion mit rund einem halben Dutzend Speditionen im Raum Essen, Dortmund, Düsseldorf sowie eine Empfehlung aus Bremerhaven in Verbindung gesetzt, die laut ihren Websites auf Erfahrungen mit Umzügen in die Schweiz verweisen konnten.

Ganz, ganz wichtiger Tipp: lasst euch niemals, niemals, nie auf eine Spedition ein, die nicht Mitglied in einem der Möbelspeditionsverbände ist (der wichtigste und seriöseste zu nennende Verband nennt sich AMOE), und achtet insbesondere auch niemals einfach nur auf den Preis, sondern auch auf andere Faktoren. Ansonsten kann es euch schnell passieren, dass ihr eure Möbel am Zielort angekommen als Geiseln vorfindet und sich der ach so günstige Preis auf einmal verdoppelt, oder es gibt Ärger mit dem Schweizer Zoll, oder euer Hausrat kommt beschädigt oder gar unvollständig in der Schweiz an (passiert alles immer wieder, das Internet ist voll von solchen Horrorgeschichten, weil die Auftraggeber ursprünglich zu geizig waren). Verbandsmitglieder hingegen werden sich grundsätzlich die leerzuräumende Wohnung und die Wegverhältnisse vor Ort anschauen kommen und eine verbindliche Schätzung über den Umfang des Hausrats (in Kubikmetern) sowie ein schriftliches Angebot mit einer verbindlichen Preisobergrenze abgeben.

Wir hatten einen einzigen Nicht-AMOE-Spediteur aus Dortmund kontaktiert, der „selbstverständlich“ der „billigste“ war (Angebot unter 2‘000 EUR), doch der Typ, der bei uns vorbeikam, deklassierte sich von Anfang an selbst. Er stank nach Zigarettenqualm wie nichts Gutes, wirkte ungepflegt, scherte sich einen Dreck darum, dass er mit seinem schmutzigen Arbeitsschuhen unseren Boden versaute, wusste alles besser und wollte mir allen Ernstes auftischen, der Schweizer Zoll wolle eine bis aufs einzelne Buch und die einzelne CD/DVD exakt aufgeschlüsselte Liste. Ging gar nicht, danke, und ab dafür.

Gegenbeispiele waren dann durch die Bank alle anderen Spediteure, die bei uns vorbeikamen. Wer sich angesichts der winterlichen Strassenverhältnisse verspätete, kündigte dies schnell telefonisch an; galt es Schrankinhalte abzuschätzen, wurden wir vorher gefragt „Darf ich da mal einen Blick hineinwerfen?“, und mehrere der Herren gaben uns durch verschiedenste Tipps (einiges kannte ich aus dem Forum schon) das deutliche Signal, dass sie sich wirklich auskannten (u.A. „Dass Sie noch erheblich mehr Wein einführen dürfen, als Sie bisher aufgelistet haben, wissen Sie?“).

Ihr merkt, abgesehen vom Auftreten der Leute ist es gut auch ein paar Fangfragen parat zu haben, mit denen ihr die behauptete Erfahrung mit Nicht-EU-Umzügen und speziell Schweiz-Auswanderungen auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen könnt.

Entschieden haben wir uns schlussendlich nicht für das günstigste Angebot, sondern für eine Spedition aus Essen, deren Angebotspreis ziemlich exakt dem Durchschnitt aller erhaltenen Gebote der Auktion und Angebote entsprach. Ausschlaggebende Punkte waren erstens, dass der gute Herr schon während der Besichtigung en passant die vollständige für den Zoll relevante Übersiedelungsgutliste erstellt hatte, und zweitens, dass er der einzige Anbieter überhaupt war, der mitgedacht hatte und uns keine Kartons zur Miete anbot, sondern vorab fragte, ob er uns stattdessen gebrauchte Kartons zu einem fairen Preis zum Kauf offerieren dürfe, da man sich so den aufwendigen und teuren Rücktransport der Kartons sparen könne. Schon während des Besichtigungstermins unserer Wohnung ging er mit uns sämtliche Papiere für die Zollformalitäten durch („egal, ob Sie sich für uns entscheiden, einfach damit Sie wissen, worauf Sie achten müssen“).

Da die Frage eh kommt: Rund 2‘800 EUR waren zu veranschlagen, und zwar für ein Rundumsorglospaket, das einzig und allein das Einpacken der Kartons ausklammerte, denn das wollten wir doch lieber selbst machen, um hinterher auch zu wissen, wo wir was wiederfinden würden.

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Sep 23 2011

Cerebraldarwinismus reloaded

In meinem alten Blog hatte ich anno dazumal kurz eine Wortschöpfung grob erläutert, die sich während eines netten Ausgeh-Abends im Gespräch ergeben hatte: Cerebraldarwinismus.

Aus aktuellem Anlass möchte ich ergänzen, dass sich dieser auch ganz ohne Zuhilfenahme alkoholischer Getränke praktizieren lässt. Stattdessen benötigt man einfach einen Fernseher mit Fernbedienung und diverse deutsche Privatsender. Jetzt zappt man der Reihe nach durch die Programme durch und bleibt “versehentlich” für mehr als einige wenige Sekunden in den diversen Talkshows, “DSDS”-, “Supertalent”-, “GNTM”-, “X-Diaries” etc. -Sendungen hängen.

Die Wirkung ist definitiv vergleichbar. Erhärtend gegenüber der klassischen Art der Anwendung ist allerdings, dass ein übermässiger Genuss offenbar eine exponentielle Wirkung hat, wie die offiziell kommunizierten Einschaltquoten immer wieder belegen.

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