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Jun 21 2011

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Wie alles begann

Ich arbeitete seit rund sieben Jahren für eine Softwareentwicklungsfirma für Business-Software in Dortmund, die ihre wichtigsten Produkte vergleichsweise wenig mit eigenem Vertrieb, sondern sehr stark über ein Partner-Netzwerk verkauft und vertreibt. Zu den Schwerpunkten meiner Tätigkeit zählte die Schulung der Projektmanager dieser Partner in Installation und Anpassung unserer Produkte, aber auch das Coaching und Hilfestellung bei besonders komplexen Projektanforderungen. Diese Schwerpunkte brachten es mit sich, dass ich seit Jahren quer durch halb Europa gereist bin und mit den verschiedensten Partnern kooperiert habe. So lernte ich Anfang 2010 unter anderem auch meinen zukünftigen Schweizer Arbeitgeber kennen.

Mit dem Gedanken, über kurz oder lang Deutschland den Rücken zu kehren, spielte ich schon ziemlich lange, insbesondere da mich manch Entwicklung in der EU Richtung Überwachungsstaat sehr gestört hat, und speziell in Deutschland auch der Umstand, dass der gesellschaftliche Mittelstand immer mehr gemolken und ausgepresst wird, egal welche Koalition gerade das Sagen hat. Da ich zu den Leuten gehöre, die gerne Nägel mit Köpfen machen statt lediglich herumzulamentieren, habe ich stets zu meinen Freunden und Bekannten gesagt „da bleiben einem eigentlich nur zwei Möglichkeiten – entweder selbst in der Politik aktiv werden (und Gefahr laufen dann genauso korrumpiert zu werden wie alle anderen) oder halt auszuwandern“.

Im September/Oktober 2010 ergab es sich dann, dass der Geschäftsführer des Schweizer Partners und ich quasi zufällig miteinander in Kontakt traten, und während eines Emailaustauschs liess er durchsickern, dass er in seinem ECM-TEAM noch eine vakante Stelle habe – sinngemäss „ob ich nicht jemanden mit sehr detailliertem Knowhow zu unserem Produkt kenne, den es in die Schweiz ziehen würde“. Meine Lebensgefährtin M. und ich planten gerade einen zweiwöchigen Herbsturlaub, von dem die erste Woche mit dem Abschluss eines Drachenflugkurses in Südfrankreich schon gesetzt war. Ich zeigte M. jene Email, und sie meinte „das klingt ja fast so, als wolle er dir einen Job anbieten“. Ich konterte „genau darum handelt es sich auch“, gefolgt von „Was meinst du, soll ich das weiterverfolgen?“, und sie erwiderte dazu „klar, wenn das Angebot gut für dich ist, ziehen wir das durch“.

Ich schlief erst einmal eine Nacht drüber und begann vorsichtig, mich über die Lebenshaltungskosten und das Gehaltsgefüge in meiner Branche in der Schweiz zu informieren, um wenigstens grob abschätzen zu können, mit welchen Gehaltsvorstellungen ich in konkretere Verhandlungen eintreten könnte. Auch über einige grundlegende andere Dinge sammelte ich schon erste Informationen. Bewusst entschied ich mich dagegen, direkt zurückzumailen, sondern wollte den Beginn unseres Urlaubs abwarten und erst aus Frankreich heraus zurückschreiben.

So brachen wir nach Frankreich auf, und gegen Mitte der Woche schrieb ich endlich zurück, falls er konkretere und insbesondere längerfristige Pläne habe, wäre es evtl. ganz interessant, wenn wir zwei uns mal direkt zu einem Gespräch zusammensetzen würden. Wir wären „quasi grad in der Gegend, nur etwa 1.500 km entfernt, in Urlaub“, und wären für die Planung unserer Weiterreise weitgehend offen, zumal wir eh eine Städtetour entlang der Mittelmeerküste geplant hätten. Prompt erhielt ich umfassend Antwort und eine Einladung zu einem Gespräch mit zwei Terminvorschlägen. Es wäre super, wenn wir uns an einem der beiden Tage treffen könnten, und falls wir zusagten, würde er sich um ein Hotelzimmer für uns kümmern. So kam es, dass wir in der zweiten Oktoberhälfte während unserer Rückreise einen Zwischenstopp in Luzern einlegten. M. ging trainieren, ich machte mich auf den kurzen Fussweg zu meinem Gesprächstermin.

Während eines herrlich ungezwungenen Kaffeeplauschs über unsere Urlaube gingen wir dann eher zwischen den Zeilen und sozusagen nebenbei auf den eigentlichen Zweck unseres Treffens ein, und nach etwa eineinhalb Stunden und nur minimalen Abweichungen in unseren Gehaltsvorstellungen waren wir uns grundsätzlich handelseinig. Geplanter Arbeitsbeginn April 2011, so dass allen Beteiligten ausreichend Vorbereitungszeit zur verfügung steht – insbesondere uns, da wir fortan vieles vorzubereiten hatten.

Etwa eine Woche nach unserer Rückkehr ins Ruhrgebiet traf der erste Vertragsentwurf per Email ein, eine weitere Woche später waren die Entwürfe unter Dach und Fach, am 04.11.2010 waren die Verträge unterzeichnet und in trockenen Tüchern. Diese Sicherheit im Rücken, reichte ich am ersten mir möglichen Büro-Anwesenheitstag, dem 11.11. (allerdings erst gegen 14 Uhr, einen Karnevalsgag wollte und konnte ich terminlich bedingt nicht draus machen) meine Kündigung zum 31.03.2011 ein. Mein damaliger Chef war natürlich zuerst tief enttäuscht, erkannte jedoch von Anfang an an, dass ich mit offenen Karten spielte und auf reibungslose Projektabschlüsse sowie eine saubere Übergabe meiner vielfältigen Aufgaben an meine Arbeitskollegen abzielte.

Und so war der Grundstein für unser Projekt „Auswanderung“ gelegt.

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