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Sep 26 2011

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Umzug organisieren

Nach längerer Pause finde ich endlich einmal wieder etwas Zeit, hier weiter zu schreiben. In den letzten Posts habe ich ja schon viele wichtige Aspekte beschrieben, nun geht es so langsam aber sicher ans Eingemachte, nämlich die Organisation des eigentlichen Umzugs.

Zur Wahl stehen hier klassisch zwei Varianten, nämlich das Anmieten eines passend dimensionierten Kleinlasters und komplett eigenhändiger Abbau der Möbel, Verladung, Transport und Wiederaufbau in der neuen Wohnung, bzw. die komfortablere (aber auch zumeist deutlich teurere) Variante, kurzerhand eine Umzugsspedition zu beauftragen.

Egal, für welche Variante man sich entscheidet, in jedem Fall gilt es, eine sogenannte Umzugsgutliste zu erstellen, die bei der Einreise dem Schweizer Zoll vorgelegt werden muss. Es lohnt sich also, diese Liste möglichst frühzeitig aufzustellen, hilft sie doch unter anderem auch bei der korrekten Einordnung, wie gross beispielsweise der Kleinlaster werden muss, bzw. mit welchen Kosten man bei der Spedition zu rechnen hat.

Was gehört auf diese Liste?

Aufzulisten ist praktisch der gesamte Hausrat, den man mit in die Schweiz einführen möchte, also sämtliche Möbel, Kleidung, Spielzeug, Lebensmittelvorräte, Geschirr etc.. Auch wenn ihr nicht direkt alles mitnehmen werdet, muss die Liste dennoch vollständig sein, da man zwar bis zu eineinhalb Jahre nach dem ersten Einreisetag noch sogenannte Teileinfuhren durchführen darf, der Schweizer Zoll möchte aber direkt bei der Einreise wissen, was ihr alles einzuführen gedenkt. Bei den Lebensmitteln sind insbesondere bei Alkohol, Tabak, manchen Pflanzen etc. spezielle Limite und ggf. Auflagen zu berücksichtigen. Genaueres erfahrt ihr auf den Webseiten des Schweizer Zolls.

Erstaunlich ist, dass beim normalen privaten Reiseverkehr recht strikte Limite für Wein, Bier und härtere Alkoholika sowie Tabakwaren bestehen, die unbeanstandeten Maximalmengen bei der Deklaration als Übersiedelungsgut hingegen recht grosszügig dimensioniert sind. So darf man bis zu 200 Liter Wein oder Bier (sogenannte „haushaltsübliche Menge“) mit einführen – das haben wir als Weintrinker natürlich ausgenutzt.

Achtung bei Neuwaren: Als Übersiedelungsgut gelten ausschliesslich Dinge, die sich zum Einreisezeitpunkt seit mindestens sechs Monaten in eurem Besitz befinden. Es ist also anzuraten, bei noch extrem neu wirkenden Sachen sicherheitshalber die Originalrechnung parat zu haben, falls sich ein Zöllner doch einmal den Inhalt des LKW genauer anschauen möchte. Alle Gegenstände, die ihr innerhalb der letzten sechs Monate vor der Einreise angeschafft habt, müssen regulär verzollt werden. Das gilt übrigens auch für eure(n) PKW(s) – dazu aber in einem eigenen Post beizeiten mehr.

Wie ausführlich muss die Liste sein?

Es reicht offiziellen Angaben auf den Webseiten des Schweizer Zolls zufolge vollkommen aus, wenn die Liste grob strukturiert euren Hausrat auflistet, also z.B. „eine Waschmaschine, ein Wäschetrockner, ein Bett 160x200cm, zwei Kleiderschränke 60x100x235cm, 20 Kartons Kleidung, 5 Kartons Lebensmittel, drei Kartons Geschirr, Besteck, Gläser und Tassen, ein Peugeot 307 2.0l Automatik, BJ 2005“.

Für euch selbst solltet ihr dann während des Einpackens all eurer Sachen in die zig Kartons eine Liste erstellen, was in welchem Karton landet (Kartons durchnummerieren nicht vergessen!) und in welches Zimmer in der neuen Wohnung die einzelnen Kartons getragen werden sollen. Jeder Karton selbst sollte neben seiner Nummer und dem Zielzimmer ebenfalls grob seinen Inhalt auflisten. Erstens habt ihr es dann später beim Auspacken der wichtigsten Haushaltsgegenstände einfacher, und zweitens freut sich ein übereifriger Zöllner dann, falls er doch mal einen Blick in den LKW wirft, über eure detaillierte Vorarbeit, die ihm die Stichproben sehr erleichtert (und im Geiste wird er sich wahrscheinlich über die wie immer überfleissigen Gummihälse kaputt lachen).
Zur Liste gehört dann auf jeden Fall noch das vollständig ausgefüllte Zoll-Formular „Übersiedelungsgut“ mit der Nummer 18.44. Die Werte für Schätzwert und ungefähres Gewicht sollten halbwegs plausibel sein, müssen aber nicht wirklich exakt sein.

Selber machen oder Spedition?

Es hängt nicht zuletzt von euren finanziellen Mitteln und euren persönlichen Vorlieben ab (es soll ja Leute geben, die es als spannendes Hobby betrachten, bei sommerlichen Temperaturen mit einem LKW stundenlang an einer EU-Aussengrenze zu warten), wie ihr die Übersiedelung organisiert. Für jemanden, der eh schon grenznah auf deutscher Seite gelebt hat und nun in die grenznahe Schweiz zügeln will, kann es sich durchaus rechnen, alles selbst zu machen. Für uns mit unseren fast 700km Distanz war das nichts, wir haben uns von Anfang an auf die Beauftragung einer erfahrenen Spedition konzentriert. Ein Mietlaster für unseren Hausrat wäre inkl. Sprit und Kilometern zwar auf „nur“ etwa 1‘000 EUR gekommen, dafür hätten wir aber auch erheblich mehr Zeitaufwand und Stress mit allem gehabt.

So beschränkte sich unser Stress in erster Linie auf das Finden des passenden Auftragnehmers. Dazu sind wir ab Anfang Januar zweigleisig vorgegangen. Auf der einen Seite haben wir eine sogenannte Umzugsauktion gestartet – nicht etwa, um ernsthaft übers Internet „unseren“ Auftragnehmer zu finden, sondern einfach, um ein Gefühl für das Preisgefüge zu bekommen. Das Prinzip ist einfach und funktioniert ähnlich wie eine Niederländische Tulpenauktion oder Handwerker-Websites wie MyHammer und Co.: man muss eingeben, von wo nach wo man zügeln möchte, wann das geschehen soll, wie die Zufahrten an beiden Orten sind und insbesondere welcher Hausrat zu transportieren ist (spätestens an diesem Punkt angekommen werdet ihr also zwangsläufig eine recht genaue Liste eures Hausrats erstellen), und nach und nach melden sich verschiedene Speditionen mit ihren Preisvorstellungen (anonymisiert, versteht sich, da die Plattform als Vermittler ja eine Provision kassieren möchte). Erstaunlich ist das so ermittelte Preisspektrum: bei uns ging es von knapp 2‘000 EUR bis zu 4‘500 EUR, und liess man diese beiden Ausreisser aussen vor, lag der Mittelwert zwischen 2‘700 und 2‘900 EUR.
Es bleibt euch als Veranstalter der Auktion zum Schluss dann selbst überlassen, ob ihr mit einem oder mehreren Bietern Kontakt aufnehmen wollt, und wenn, dann muss das auch nicht zwingend der optisch billigste Bieter sein. Wir hatten bei der Idee, irgendeine vollkommen fremde Klitsche zu beauftragen, die womöglich noch hunderte Kilometer entfernt von unserer alten Wohnung sitzt (einige Gebote erhielten wir ernsthaft aus der Nähe der polnischen Grenze), einfach kein gutes Gefühl, sondern wollten bewusst auf persönliche Betreuung aus der Nähe setzen.

Daher haben wir uns auf der anderen Seite parallel zur Auktion mit rund einem halben Dutzend Speditionen im Raum Essen, Dortmund, Düsseldorf sowie eine Empfehlung aus Bremerhaven in Verbindung gesetzt, die laut ihren Websites auf Erfahrungen mit Umzügen in die Schweiz verweisen konnten.

Ganz, ganz wichtiger Tipp: lasst euch niemals, niemals, nie auf eine Spedition ein, die nicht Mitglied in einem der Möbelspeditionsverbände ist (der wichtigste und seriöseste zu nennende Verband nennt sich AMOE), und achtet insbesondere auch niemals einfach nur auf den Preis, sondern auch auf andere Faktoren. Ansonsten kann es euch schnell passieren, dass ihr eure Möbel am Zielort angekommen als Geiseln vorfindet und sich der ach so günstige Preis auf einmal verdoppelt, oder es gibt Ärger mit dem Schweizer Zoll, oder euer Hausrat kommt beschädigt oder gar unvollständig in der Schweiz an (passiert alles immer wieder, das Internet ist voll von solchen Horrorgeschichten, weil die Auftraggeber ursprünglich zu geizig waren). Verbandsmitglieder hingegen werden sich grundsätzlich die leerzuräumende Wohnung und die Wegverhältnisse vor Ort anschauen kommen und eine verbindliche Schätzung über den Umfang des Hausrats (in Kubikmetern) sowie ein schriftliches Angebot mit einer verbindlichen Preisobergrenze abgeben.

Wir hatten einen einzigen Nicht-AMOE-Spediteur aus Dortmund kontaktiert, der „selbstverständlich“ der „billigste“ war (Angebot unter 2‘000 EUR), doch der Typ, der bei uns vorbeikam, deklassierte sich von Anfang an selbst. Er stank nach Zigarettenqualm wie nichts Gutes, wirkte ungepflegt, scherte sich einen Dreck darum, dass er mit seinem schmutzigen Arbeitsschuhen unseren Boden versaute, wusste alles besser und wollte mir allen Ernstes auftischen, der Schweizer Zoll wolle eine bis aufs einzelne Buch und die einzelne CD/DVD exakt aufgeschlüsselte Liste. Ging gar nicht, danke, und ab dafür.

Gegenbeispiele waren dann durch die Bank alle anderen Spediteure, die bei uns vorbeikamen. Wer sich angesichts der winterlichen Strassenverhältnisse verspätete, kündigte dies schnell telefonisch an; galt es Schrankinhalte abzuschätzen, wurden wir vorher gefragt „Darf ich da mal einen Blick hineinwerfen?“, und mehrere der Herren gaben uns durch verschiedenste Tipps (einiges kannte ich aus dem Forum schon) das deutliche Signal, dass sie sich wirklich auskannten (u.A. „Dass Sie noch erheblich mehr Wein einführen dürfen, als Sie bisher aufgelistet haben, wissen Sie?“).

Ihr merkt, abgesehen vom Auftreten der Leute ist es gut auch ein paar Fangfragen parat zu haben, mit denen ihr die behauptete Erfahrung mit Nicht-EU-Umzügen und speziell Schweiz-Auswanderungen auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen könnt.

Entschieden haben wir uns schlussendlich nicht für das günstigste Angebot, sondern für eine Spedition aus Essen, deren Angebotspreis ziemlich exakt dem Durchschnitt aller erhaltenen Gebote der Auktion und Angebote entsprach. Ausschlaggebende Punkte waren erstens, dass der gute Herr schon während der Besichtigung en passant die vollständige für den Zoll relevante Übersiedelungsgutliste erstellt hatte, und zweitens, dass er der einzige Anbieter überhaupt war, der mitgedacht hatte und uns keine Kartons zur Miete anbot, sondern vorab fragte, ob er uns stattdessen gebrauchte Kartons zu einem fairen Preis zum Kauf offerieren dürfe, da man sich so den aufwendigen und teuren Rücktransport der Kartons sparen könne. Schon während des Besichtigungstermins unserer Wohnung ging er mit uns sämtliche Papiere für die Zollformalitäten durch („egal, ob Sie sich für uns entscheiden, einfach damit Sie wissen, worauf Sie achten müssen“).

Da die Frage eh kommt: Rund 2‘800 EUR waren zu veranschlagen, und zwar für ein Rundumsorglospaket, das einzig und allein das Einpacken der Kartons ausklammerte, denn das wollten wir doch lieber selbst machen, um hinterher auch zu wissen, wo wir was wiederfinden würden.

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