«

Jan 16 2013

Beitrag drucken

Danke, ich bin bedient

Über die Tage rund um Silvester 2012/2013 waren wir in Berlin, und während wir abends „in den Ausgang gingen“ (wir sind also ausgegangen), wurden wir unter den Freunden und Bekannten ein bisschen als das Kuriosum aus der Schweiz herumgereicht. Sprich, praktisch jeder wollte etwas darüber erfahren, welche Unterschiede uns bisher so im alltäglichen Leben zwischen Deutschland und der Schweiz besonders aufgefallen wären. Neben den entsprechenden Fragen nach den verschiedenen Deutschschweizer Dialekten und wie wir damit zurechtkämen ging es dabei auch immer wieder um zwar scheinbar hochdeutsche, nichts desto trotz aber typisch schweizerische Begriffe.

Ein besonders einprägsames Beispiel ergibt sich eben aus dem Besuch eines Restaurants oder einer Gaststätte. Die Bestellung gibt man hierzulande bei der Serviertochter auf (hochdeutsch: bei der Kellnerin; einen entsprechenden Helvetismus für den Kellner habe ich bislang jedoch noch nicht vernommen). Dabei sollte man unbedingt beachten, dass der tägliche Umgang miteinander in der Schweiz noch erheblich von einer gewissen grundlegenden Höflichkeit geprägt ist. Auf keinen Fall sollte man nach typisch Rheinländischer Art mit der Formulierung „Ich bekomme ein Bier und das Wiener Schnitzel“ ordern, denn das käme quasi schon einer direkten Beleidigung gleich. Eine korrekte Formulierung für dieselbe Bestellung wäre hingegen „Ich hätte gern eine Stange und das Wiener Schnitzel, wenns recht ist“, und wenn die Dame anschliessend schon einmal die Getränke bringt, bedankt man sich freundlich mit einem „Merci vielmal“.

Für deutsche Ohren richtig kurios wird es aber erst, sobald die Speisen serviert sind: während man schon fröhlich am Schmausen ist, kommt die Serviertochter unter Garantie nochmals vorbei, um sich nach dem Wohlbefinden zu erkundigen, und zwar mit der Frage „Sind Sie bedient?“

Hiermit ist mitnichten gemeint, ob man die Nase voll habe, sondern im Gegenteil, ob das Essen schmeckt und ob man eventuell noch einen weiteren Wunsch habe.

Wenn ihr dann zum guten Schluss die Rechnung bestellt und zu mehreren am Tisch sitzt, werdet ihr regelmässig gefragt, „Gemeinsam oder separat?“ – man beachte, dass es nicht „Alles zusammen oder getrennt?“ heisst.
Und da es in diesem Kontext auch so schön passt: wie in praktisch allen anderen Ländern auch, stellt sich für den Neuzuzüger oder den Touristen die Frage nach den Trinkgeld-Gepflogenheiten. Hier gilt als Faustregel: beim einfachen Mittagstisch oder der einfachen Pizzeria oder Dönerbude (ja, die gibt es hierzulande ebenfalls, jedoch sollte man sich sehr schnell vom Gedanken verabschieden, für schlappe 2,50 satt zu werden, sondern schon für die einfache Dönerbrottasche auf die Hand mindestens 8 CHF einplanen) rundet man krumme Rechnungsbeträge einfach auf den nächsten vollen Franken auf, und wenn die Rechnung dummerweise auf „xxx.90“ lautet, gibt man vielleicht noch einen Franken dazu. Im abendlichen Ausgang und wenn der Rechnungsbetrag sich dem dreistelligen Bereich nähert (was man schon zu zweit schnell mit Vorspeise, Hauptgang, Dessert, einer Flasche Wein und je zwei Cola erreichen kann), legt man noch eine Kleinigkeit drauf. Mehr als 5% Trinkgeld sind hier jedoch unüblich und erzeugen schnell mal ein Heben der Augenbrauen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.caits.de/2013/74/danke-ich-bin-bedient

1 Kommentar

  1. Muhi

    Danke für diesen kleinen, aber feinen Survival-Guide.
    Ich glaube, ihr dürft das euren Freunden nicht übel nehmen.
    Fremde Kulturen machen einfach Spaß 🙂
    lG

Kommentare sind deaktiviert.