Jul 12 2011

Wichtiger und nützlicher Ausweiskram

Ab Anfang Januar 2011 begannen wir parallel zu unseren sonstigen Vorbereitungen die nächsten wichtigen Schritte – jede Menge behördlichen Papierkram zu erledigen. In einem ersten Schritt ist hierbei erst einmal wichtig, sämtliche Ausweispapiere aller auswandernden Haushaltsmitglieder darauf hin zu überprüfen, ob sie in absehbarer Zeit auslaufen werden – insbesondere also Personalausweise und Reisepässe.

Pass und Personalausweis

Einen neuen Reisepass kann man nämlich zwar auch bei der Botschaft in Bern beantragen, sobald man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat, es ist allerdings erheblich aufwendiger (man muss zwingend live und in Farbe in Bern höchstpersönlich vorsprechen) und erfordert eine schiere Unzahl an zusätzlich vorzulegenden Papieren. Das kann man sich ersparen, wenn man sich rechtzeitig (spätestens acht Wochen vor der Auswanderung) und noch mit deutschem Wohnsitz drum kümmert, falls ein Reisepass wenige Monate nach der Auswanderung ablaufen wird (mit ohnehin schon abgelaufenen Papieren kann man schon die Ausreise selbst vergessen).

Ungleich komplizierter wird es, falls man seinen deutschen Personalausweis weiter behalten möchte und dieser kurz nach der Auswanderung ablaufen würde. Da kann einem nämlich die Botschaft in Bern nach aktuell noch gültigem Stand auch nicht mehr helfen. Genau genommen ist für die Verlängerung bzw. Neuausstellung eines abgelaufenen Personalausweises das Bürgerbüro zuständig, in dessen Gemeinde man in Deutschland seinen letzten Hauptwohnsitz hatte – da müsste man also hin (persönlich, versteht sich), und speziell in ländlicheren Gegenden trifft man dann nach einigen Äusserungen im Web zu urteilen vielfach auf Unkenntnis des zuständigen Personals, die einen unverrichteter Dinge mit den Worten „Sie wohnen ja nicht mehr hier“ zurückschicken möchten. In Grenznähe zur Schweiz soll es wohl einige Ämter geben, die sich auch für Ausgewanderte um neue Personalausweise kümmern – soweit ich das sehen kann, ist das aber wohl in erster Linie Kulanz, die sich die Ämter auch gut bezahlen lassen.

Ergo: falls ein Perso in Bälde abläuft, lieber – wiederum noch mit deutschem Wohnsitz – einen neuen Ausweis beantragen (das wird dann jetzt ja automatisch die Chipkarte, die übrigens später bei der Abmeldung aus Deutschland dann für Zusatz“spass“ sorgen kann, siehe unten).

Unsere Reisepässe waren bei unserer Prüfung nicht betroffen, wohl aber mein Personalausweis. Der wäre nämlich im August abgelaufen, aber speziell für Reisen innerhalb der EU ist es durchaus praktisch auf den dicken Reisepass verzichten zu können, wenn man stattdessen seinen Perso mitführt.
Der neue Chipkarten-Personalausweis erfordert wie auch der moderne Pass ein biometrisches Foto. Die Schweizer Behörden (insbesondere Migrationsamt und Fahrausweisstelle) wollen das ebenfalls, und glücklicherweise sind die Vorgaben beider Länder hier mal sehr ähnlich, so dass ein Besuch beim deutschen Fotografen für ca. vier Bilder pro Person erst einmal ausreichen sollte.

Also gingen wir Anfang Januar 2011 zum Fotoshooting, und ich stiefelte Ende Januar dann zum Bürgerbüro zwecks Antrag auf neuen Personalausweis. Drei Wochen später war der neue Ausweis da und dieser Punkt der Todoliste sauber abgehakt.

Aufgrund von M.s Schwangerschaft und damit verbunden wegen des Umstands, dass sie in der Schweiz vorerst und auf absehbare Zeit keine Arbeit suchen würde, würde es unseren Informationssammlungen zufolge als unverheiratetes Paar (sog. Konkubinat in der Schweiz) eventuell schwierig werden, für M. die gleiche B-Aufenthaltsbewilligung wie für mich zu bekommen – verbunden mit dem Nachteil der jährlichen Verlängerungspflicht und einer erheblich längeren Wartezeit auf eine C-Bewilligung (die gibt’s nur dann, wenn man vorher mindestens fünf Jahre am Stück schon B hatte). Wir wollten also alles daran setzen, M. als eindeutigen Familiennachzug „durchzubringen“, und da half uns wiederum ihre Schwangerschaft.

Urkunden

Unsere Idee: wir wollten auf jeden Fall ein beidseitiges Sorgerecht für unsere Kleine, und dies wiederum setzt eine Vaterschaftsanerkennung voraus. Beides kann man in Deutschland beim örtlichen Standes- bzw. Jugendamt deklarieren bzw. beurkunden. Beide Urkunden würden wir zur Beantragung von M.s Aufenthaltsbewilligung zusätzlich und unaufgefordert mit einreichen, um den Status „Familiennachzug“ deutlich zu machen.

Die Anerkennung der Vaterschaft erfordert eine Geburtsurkunde des Vaters.
Da diese Geburtsurkunde (und auch für jedes Haushaltsmitglied!) später noch mehrfach in der Schweiz gebraucht wird, lohnt es sich, beim Standesamt seines Geburtsortes mindestens drei Ausfertigungen zu beantragen, idealerweise in Form Internationaler Geburtsurkunden. Die Laufzeit bis zur Zustellung der Urkunden auf dem Postweg liegt unserer Erfahrung nach bei etwa einer Woche (innerhalb Deutschlands). Achtet bitte darauf, die Geburtsurkunden wiederum nicht zu früh zu bestellen, denn aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen möchten die Schweizer gerne sogenannte „aktuelle“ Urkunden, deren Ausstellungsdatum nicht länger als sechs Monate ab Datum der Einreichung gerechnet zurückliegt.

Mit der Geburtsurkunde zogen wir dann zur vorgeburtlichen Vaterschaftsanerkennung, und damit wiederum beurkundeten wir dann amtlich das beidseitige Sorgerecht.

Tipp am Rande: wirklich jede Urkunde, Pässe, Personalausweise, Führerscheine, Fahrzeugscheine des/der Auto(s) etc. auf den Scanner legen und hochauflösend und in Topqualität einscannen und auf diese Weise elektronisch archivieren. Vielfach stellt man erst vor Ort in der Schweiz fest, wie häufig man die eine oder andere Kopie doch noch wieder benötigt, und vom Rechner aus hat man am schnellsten eine neue Kopie ausgedruckt.

Falls ihr irgendwann aus der Kirche ausgetreten seid, habt ihr das auch einmal schriftlich bekommen. Dieser Austrittsbeleg sollte ebenfalls dringend wiedergefunden (bzw. zur Not – gegen Gebühr, leider, wiederbeschafft) werden, denn nur wenn man den Kirchenaustritt beim zukünftigen Arbeitgeber nachweisen kann, wird dieser dafür sorgen können, euch nach der richtigen Quellensteuertabelle ohne KSt. abrechnen zu können.

Etwa sechs bis acht Wochen vor dem geplanten Einreisetermin/Stellenantritt solltet ihr dann die Beantragung der Aufenthaltsbewilligung(en) veranlassen. Bei uns hiess das: mitte Februar Kopien (müssen nicht beglaubigt sein) von Reisepass, Geburtsurkunde, Arbeitsvertrag (Beträge dürfen geschwärzt sein), Mietvertrag (Beträge dürfen geschwärzt sein, dient zum Nachweis angemessen dimensionierten Wohnraums für alle einwandernden Haushaltsmitglieder) sowie Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung an den neuen Arbeitgeber senden, damit dieser die Anträge für die Aufenthaltsbewilligung(en) beim zuständigen Migrationsamt einreichen kann. Achtung: es ist zwar durchaus üblich, dass der Arbeitgeber sich darum kümmert und das vielleicht sogar für die gesamte Familie erledigt, das muss allerdings nicht so sein. Ihr solltet das also bitte vorab freundlich klären, bevor ihr euren neuen Chef mit so vielen Papieren überfallt.

Die biometrischen Fotos aller Haushaltsmitglieder sind erst bei der Anmeldung auf der Gemeinde in der Schweiz mitzubringen.

Anfang März erhielt mein neuer AG dann Post vom Migrationsamt mit der Information, dass die Unterlagen vollständig wären, verbunden mit dem Hinweis, dass es ja seit der vollen Freizügigkeit für EU15/EFTA-Mitglieder seit 2007 mangels Erfordernis keine schriftliche Zusicherung der Aufenthaltsbewilligung mehr gibt (faktisch entspricht dieses Schreiben also dennoch genau dieser obsoleten Zusicherung und sollte daher für die Zollformalitäten bei der Überführung des Umzugsguts auf jeden Fall in Kopie mitgeführt werden).

Abmeldung aus Deutschland

Am Vortag der Auswanderung bekam ich dann im Bürgerbüro dank meines neuen Personalausweises noch einmal deutsches Beamtentum mit entsprechend fragwürdigem Spassfaktor zu spüren. Denn Ende März 2011 war der neue Personalausweis noch so frisch eingeführt, dass die Damen und Herren im Amt vielfach in dessen Handhabung noch nicht ganz sicher waren (soweit ja kein Verbrechen). Mit dem neuen Ausweis besteht nun bei einer vollständigen Abmeldung aus Deutschland jedoch die Pflicht, nicht nur einen amtlich gesiegelten Aufkleber mit dem Text „Keine Hauptwohnung in Deutschland“ auf der Rückseite der Chipkarte aufzubringen, sondern es muss auch vorschriftsgemäss der gleiche Vermerk in den Chip selbst hinein.

Blöderweise haben aber die tollen Damen und Herren Softwareingenieure, auf deren Mist die Software zur Änderung eben jener Chipdaten gewachsen ist, vollkommen übersehen, dass es eben nicht nur innerhalb Deutschlands umziehende Bürger mit der Chipkarte geben wird (das Ummelden auf eine neue Anschrift funktioniert nämlich bestens), sondern halt auch solche, die sich komplett aus Deutschland abzumelden wünschen. – Und genau das konnte die Software zu unserem Zeitpunkt X (noch) nicht. Ich versicherte der Dame vom Amt zwar mehrfach, dass mir die Anschrift im Chip furzegal wäre, ich bräuchte eh ausschliesslich die Abmeldebescheinigung und sonst nichts, aber sie beharrte auf ihren Vorschriften und versuchte eine reichliche Dreiviertelstunde alles, den Text doch irgendwie in den Chip zu bekommen. Auch der Amtsleiter persönlich konnte nichts machen, so dass erst die kategorische Antwort aus der IT „das geht wirklich nicht“ sie zum Einlenken brachte und mich schweren Herzens zwar mit Aufkleber aussen, aber falscher Anschrift innen, von dannen ziehen liess.
Die Abmeldebescheinigung sollte wiederum kopiert und gescannt werden, denn sie wird einerseits beim Schweizer Zoll bei der Einreise gebraucht, andererseits unter anderem zur Änderung des Reisepasses und anderen Dingen.

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Jul 03 2011

Unsere Tochter ist da

Heute hat endlich unsere Tochter im Kantonsspital in Sursee das Licht der Welt erblickt. Die junge Dame liess sich gut zehn Tage mehr Zeit als prognostiziert, hat die zusätzliche Zeit aber sprichwörtlich zum Sich-hübsch-machen genutzt, wie es so schön heisst.

Wir frischgebackenen Eltern sind sehr stolz und glücklich. Bitte um Nachsicht, dass es deshalb mit den Updates gerade ein bisschen stockt.

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Jun 25 2011

Die Finanzen regeln

Parallel zur Wohnungssuche begannen wir ab Anfang Dezember 2010 unsere finanziellen Angelegenheiten zu regeln. Darunter fasse ich Dinge wie die Sichtung und das Kündigen alter Verträge, erste Informationssammlung für eine Bankverbindung in der Schweiz, Anfragen um verbindliche Auskünfte bei Versicherungen, die man auch in der Schweiz aufrecht erhalten möchte und andere Dinge dieser Art. Man macht sich nämlich keine Vorstellung davon, was sich da alles im Laufe der Jahre ansammelt, und es ist einfach ärgerlich, wenn man vergisst einen Vertrag (z.B. Mobilfunk-Abo) rechtzeitig zu kündigen und dann weiterhin drin „festhängt“, obwohl man die Leistung gar nicht mehr in Anspruch nehmen kann.

Bestandsaufnahme

Ich kann daher einfach nur empfehlen, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen, welche festen Verträge alle Haushaltsmitglieder laufen haben. Das fängt bei Telefon/Internet an, geht über die verschiedenen Mobilfunk-Abos, Haftpflicht- und Kfz-Haftpflicht, Hausrat bis hin zu allen erdenklichen Formen der privaten Vorsorge (Rente, Leben, Berufsunfähigkeit, und – Gott bewahre – Riester) und noch etliche andere Dinge, die ich noch nicht genannt habe.

Verträge und Versicherungen

Sobald man weiss, welche Verträge man noch am Bein hat, gilt es zu sondieren, welche davon zu welchen Zeitpunkten zu kündigen sind. So darf man im Regelfall davon ausgehen, dass die private Haftpflicht sowie die Hausratversicherung zu den zu kündigenden Posten zählen, da man diese in der Schweiz neu abschliessen wird (im Regelfall kündigt die Versicherung ansonsten von sich aus, sobald man ihnen den neuen festen (und einzigen) Wohnort „Schweiz“ mitteilt). Bei der Kfz-Haftpflicht kann es sich rechnen, eine verbindliche Auskunft auf die Frage einzuholen, ob diese die Familienkutsche noch für einige Zeit weiter zu versichern bereit ist, auch wenn der Wagen überwiegend (oder gar ausschliesslich) in der Schweiz genutzt werden wird (näheres zum Thema KFZ und Führerschein wiederum in Kürze in einem eigenen Artikel).

Bei uns sah die Vertragsliste überschaubar aus. Meine seit 2006 bestehende Reisekrankenversicherung über sage und schreibe 7.50 EUR / Jahr war schnell gekündigt. Zudem hatte ich eh schon seit Jahren kein Mobilfunk-Abo mehr, und M. konnte ihr Abo problemlos auf eines ohne Grundgebühr umstellen (zumal sie eh auch in Zukunft davon noch gelegentlich Gebrauch machen wird, wenn sie samt unserer Tochter unsere Eltern in Deutschland besucht).

Private Vorsorge in Vertragsform hatte sie noch nie, und bei mir sind das nur eine klassische (vor 2005 abgeschlossene und damit dauerhaft steuerfreie) Rentenversicherung sowie eine ebenfalls seit Beginn meiner Studienzeit laufende Risiko-Berufsunfähigkeitsversicherung (also ohne sinnlose „Kapitalbildung“). In beiden Fällen bat ich um verbindliche Auskunft, ob auch in der Schweiz Versicherungsschutz bestehen wird, in beiden Fällen kam kurz darauf das schriftliche „OK“, also kein Handlungsbedarf ausser Mitteilung der neuen Anschrift, sobald wir in der Schweiz wären.

Fatal sieht es an diesem Punkt übrigens für alle die aus, die in der Riester- oder Rürup-Falle sitzen. Ich möchte an dieser Stelle nicht verurteilen, sich darauf eingelassen zu haben, denn auch wenn ich hier dessen Ineffizienz für Singles vorgerechnet habe, soll es doch tatsächlich Fälle geben, wo es sich auch langfristig gerechnet hätte.

„Hätte“, würde man nun nicht auswandern. Denn sobald ihr keinen Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt mehr in Deutschland habt (und damit aus der unbeschränkten Steuerpflicht fallt), ist es auch mit dem Zulagenanspruch für die Riesterrente oder die Steuervorteile der Rüruprente vorbei. Es ist also nicht mehr sinnvoll, diese Verträge noch zu bedienen. Da hilft also höchstens noch, die Verträge beitragsfrei zu stellen, was allerdings aufgrund der undurchsichtigen Kostenstrukturen (es gab da erst kürzlich umfassende Berichterstattung dazu) ebenfalls mit Nachteilen in Form von Verlusten verbunden sein dürfte. Dann lieber ein Ende mit Schrecken (also kündigen), doch auch hier muss man eins beachten: im Fall der Riesterverträge bedeutet eine Kündigung zwangsläufig und unausweichlich eine „förderschädliche Verwendung“, bei Rürup weiss ich es nicht, da mich letzteres noch nie geschert hat. Die Folge ist also, dass sämtliche Förderungen und Steuererstattungen der Vorjahre mit einem Schlag zurückgezahlt werden müssen. Dumm gelaufen, gell? Und als hätte ich es vor Jahren schon geahnt, dass ich wirklich einmal auswandern würde, habe ich um jedwede Form steuerlich „geförderter“ Altersvorsorge stets einen ganz weiten Bogen gemacht.

Theoretisch ein Klotz am Bein ist auch der Telefon/Internet-Vertrag von euch, je nach Restlaufzeit und TK-Unternehmen. Immer noch weit verbreitet sind ja 24-Monats-Abos, gern auch in Verbindung mit gesponserter (bzw. indirekt durch die Grundgebühr querfinanzierter) Hardware, und da werden euch die Firmen sehr ungerne einfach aus dem Vertrag lassen, nur weil ihr auf die Idee kommt einfach auszuwandern. Am einfachsten geht’s so, wie wir es gemacht haben: unser Vertrag mit Versatel wäre noch bis zum 30.06. gelaufen, die Wohnung sollte aber per 31.05. gekündigt werden. Also schrieb ich eine Kündigung (per Einschreiben mit Rückschein versteht sich), in der ich ausdrücklich meine Bereitschaft kundtat, den Vertrag bis zum 30.06. zu bezahlen, aber um komplette Abschaltung des Telefonanschlusses per 31.05. bat. Der Witz: offenbar sieht das zumindest bei Versatel die Software nicht vor, also kann der Anschluss nicht lahmgelegt werden und wäre einem Nachmieter damit im Weg. Genau das will man aber vermeiden, und so bot Versatel uns an, wenn wir entsprechende Nachweise unserer Auswanderung, also idealerweise Abmeldebescheinigung DE und Meldebescheinigung CH (also Aufenthaltsbewilligung), einscannen und per Email rübersenden, wäre man gerne bereit, eine vorzeitige Vertragsauflösung aus Kulanz zu prüfen (dass wir keine gesponserte Hardware hatten, machte es noch leichter).
Genau das tat ich dann Ende April mit Erhalt der Aufenthaltsbewilligung, und kurze Zeit später erhielt ich die ersehnte Bestätigung, dass Versatel den Vertrag per Ende Mai auflösen werde.

Ich kann natürlich überhaupt nicht beurteilen, wie das 1&1, Hansenet und Co. handhaben, und erst recht nicht, wie es mit Sponsor-Hardware im Vertragsumfang aussieht, oder wenn man nicht wie ich seit zig Jahren Stammkunde war, sondern noch als Neukunde zählt. Sicherheitshalber sollte man sich also seelisch darauf vorbereiten, hier einen Vertrag am Bein zu haben, der sich nicht vorzeitig auflösen lässt und für den man noch einige Monate sinnlos weiter bluten muss.
Unsere private Haftpflicht wurde auch einfach gekündigt (etwas Überschneidung mit dem endgültigen Auswanderungstermin sollte man schon einplanen), und auch der Hausrat erging es nicht anders (hier hing ich eigentlich in einem 5-Jahres-Vertrag, aber da die Provinzial erwartungsgemäss das Risiko eine Wohnung im teuren Schweizer Ausland zu versichern nicht eingehen wollte, war die Kündigungsbestätigung nur eine Formsache, sobald ich Abmeldung, Kopie des umgeschriebenen Reisepasses und Schweizer B-Bewilligung einsendete).

Solltet ihr noch weitere Versicherungen über die genannten hinaus haben und nicht wissen, ob eine Kündigung opportun ist, fragt stets einfach nach einer verbindlichen (also insbesondere schriftlichen) Auskunft, ob die Gegenseite nicht von sich aus einen Rückzieher machen wird. Das lichtet den Vertragslistenwald mit einiger Wahrscheinlichkeit deutlich (eben weil die Lebenshaltungskosten und damit meistens auch das versicherte Risiko in der Schweiz wertmässig deutlich höher sind – das kann also auch einfach bedeuten, dass die Prämien steigen würden, womit sich sehr oft ein Sonderkündigungsrecht ergibt).

Macht euch für alle Vertragsverhältnisse, die ihr aufrecht erhalten wollt, schon einmal einen Eintrag in eurer eigenen Todoliste, nach der Ankunft an eurem neuen Wohnsitz in der Schweiz den Vertragspartnern eure neue Anschrift mitzuteilen. Für alles, was ihr vergesst (und das dürfte wirklich jedem passieren, mindestens ein Zeitschriftenabo oder so zu übersehen), richtet einen Nachsendeauftrag bei der Post für alle Haushaltsmitglieder ein – mindestens sechs Monate, idealerweise ein Jahr.
Einschliesslich der Dauer für die schriftlichen Rückläufe und bedingt durch die Weihnachtsferien hatten wir das Thema „Versicherungen und Verträge“ Ende Januar durch.

Ein weiteres wichtiges zu kündigendes Vertragsverhältnis ist natürlich der Mietvertrag eurer Wohnung (sofern ihr kein eigenes Eigentum bewohnt) sowie damit verbunden auch der Vertrag mit eurem Strom- und ggf. eurem Heizenergie-Lieferanten. Hier gilt es wiederum die potenzielle Laufzeitfalle auszuhebeln. Da beides bei uns nicht zutraf, kann ich keine Eigenerfahrung beisteuern, aber ich vermute, dass das ebenso wie der TK-Vertrag einfach zu lösen sein sollte.

Steuererklärung und Gewerbeabmeldung

Ich hatte seit Februar 2000 einen Gewerbeschein, da ich mich zeitweise mal selbständig gemacht hatte, und als nebenberufliches Kleingewerbe hatte ich das Gewerbe auch voriges Jahr noch als Taschengeldlieferant. Daher war ich seit jeher zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, und weil ich mich von der „Befreiung von der Verpflichtung zum Ausweis der Umsatzsteuer“ als Kleingewerbetreibender hatte befreien lassen (um Vorsteuer geltend machen zu können), kam noch die Umsatzsteuererklärung dazu.

Per Ende 2010 reichte ich beim zuständigen Ordnungsamt sowie beim Finanzamt die Auflösung des Gewerbes ein, Anfang Januar erledigte ich flugs die Umsatzsteuererklärung für 2010. Tipp: nicht vergessen, dass eine Firmenauflösung nicht selten mit sich bringt, bestimmte Dinge zu behalten (Jargon Finanzamt: „ins Privatvermögen überführt werden“). Diese Privatentnahmen muss man samt Zeitwert mit angeben und anteilig Umsatzsteuer bezahlen.
Ende Januar erledigte ich – ausnahmsweise überpünktlich – meine Jahressteuererklärung für 2010, um den Vorteil einer schnellen Rückzahlung für uns nutzen zu können, denn das Geld konnten wir bei all den noch auf uns zukommenden Kosten sehr gut gebrauchen.

Kontenkonsolidierung

Dank des Gewerbescheins hatte ich mehrere Girokonten, nämlich ein privates und ein geschäftliches. Diese galt es auf eine Bankverbindung zu konsolidieren. Gleichzeitig wollte ich aber sicherstellen, dass das Konto keine unnötigen Gebühren aufwirft, mir eine Maestro- und idealerweise auch noch eine Kreditkarte zur Verfügung stellt, denn früher oder später würden wir mal in Euroland einkaufen oder Urlaub machen, und ausserdem müssen wir ja die Verträge per Lastschrifteinzug weiter bedienen können, die wir weiterhin aufrecht erhalten. Mit der comdirect war ich zwar gut bedient, und das Geschäftsgiro bei einer anderen Bank konnte ich einfach dicht machen (wobei „einfach“ insofern die Realität nicht trifft, weil die Tussi von Bankberaterin, die da für mich zuständig war, es trotz mehrfacher Nachfragen erst nach acht Wochen gebacken bekommen hat, das Konto zu schliessen), aber ich hatte auch noch ein Abrufkonto und ein Aktiendepot bei der ING-DiBa, und die lieferte Girokonto, Maestro- und Visakarte gerne kostenlos dazu – also musste auch comdirect dran glauben.

Sofern also keine Kredite oder dergleichen eine Konsolidierung verhindern, sollte man es ausnutzen, dass man noch einen deutschen Wohnsitz und damit einen aktuellen Datensatz bei der Schufa hat. Denn solange dies noch so ist, bekommt man eigentlich bei jeder gewünschten Bank noch ein Konto samt Dispo und Karten (Bonität vorausgesetzt). Sobald ihr aber sozusagen „weg“ seid, macht das kaum noch eine Bank, da die Konteneröffnung für „Gebietsfremde“ mit hohem Aufwand für die Banken verbunden ist, den sie scheuen (insbesondere die Direktbanken). Einen Bestandskunden aber wandeln praktisch alle Banken klaglos in „gebietsfremd“ um.
Daher noch ein Tipp für die unverbesserlichen „Zinshopper“, die alle sechs Monate die Bank fürs „bessere“ Tagesgeldkonto zu wechseln gewohnt sind: das könnt ihr in Zukunft vergessen, aus genau den zuvor beschriebenen Gründen. Und: falls ihr die Bankverbindung noch vor der Auswanderung wechselt, nicht vergessen alle noch bestehenden Vertragsbeziehungen mit Einzugsermächtigung über das neue Konto zu informieren.

Schufa-Auskunft

Spätestens seit einigen Jahren, seit die Welle deutscher Einwanderer in die Schweiz so zugenommen hat, hat es sich auch bei Schweizer Vermietern herumgesprochen, dass die Deutschen eine Bonitätsauskunft namens SCHUFA haben, deren Informationsgehalt mindestens genau so gut ist wie der des landeseigenen „Betreibungsregisters“. Also ist es sehr wahrscheinlich, dass euch potenzielle Vermieter bei der Wohnungssuche dann alternativ zum Betreibungsregisterauszug nach einer Schufa-Selbstauskunft fragen (es muss die Selbstauskunft sein, weil nur die wirklich informativ ist). Die Selbstauskunft kostet 18.50 EUR, genauso wie der unbefristete Onlinezugang, also kann man auch gleich beides in einem Aufwasch bei der Schufa in Auftrag geben. Haben wir Anfang Dezember 2010 erledigt, die schriftliche Selbstauskunft erreichte mich so noch rechtzeitig vor meinem Flug zur Wohnungsbesichtigung, so dass ich das Original noch einige Male fotokopieren und alles zusammen mitnehmen und den Vermietern vorlegen konnte.

Damit wäre zunächst alles, was grob in den Bereich „Finanzen“ fällt, vorerst erledigt. Das Thema holt einen erst unmittelbar zum Zeitpunkt der Auswanderung wieder ein, wenn es daran geht, ein Konto bei einer Schweizer Bank zu eröffnen und neue Versicherungsverträge abschliessen zu müssen.

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Jun 24 2011

Nestbau bzw. -suche

Anfang November 2010, die Verträge sind gerade unterzeichnet und die Kündigung bei meinem alten Arbeitgeber eingereicht, steht als wichtigster Aspekt die Wohnungssuche auf unserer Tagesordnung. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird das bei allen anderen Auswanderungswilligen sehr ähnlich sein, denn bei genauerer Betrachtung stellt man sehr schnell fest, dass praktisch alles an Arbeitsvertrag (damit verbunden der Aufenthaltsbewilligung) und einem festen Wohnsitz in der Schweiz hängt.

Wie ich gestern nebenbei anklingen liess, gewann die Suche nach einer perfekt passenden Wohnung in unserem Fall noch dadurch zusätzlich an Wichtigkeit, weil wir ab Ende Oktober definitiv wussten, dass M. schwanger ist. Dies führte dazu, die Idee ad acta zu legen, einfach eine der erstbesten Wohnungen zu nehmen, die wir finden, um dann sozusagen vor Ort und mit direktem Zugriff auf die lokalen Käseblättchen in Ruhe die weitere Suche nach der optimalen Bleibe aufnehmen zu können, denn ein Neugeborenes reisst man nicht einfach so binnen kurzer Frist aus seinem gewohnten Umfeld.

Also musste Plan B her – die Suche nach einer hübschen Wohnung mit ausreichend Platz, die uns auf Anhieb so gut gefällt, dass wir uns vorstellen können dort auch über mehrere Jahre zu wohnen. Hochgesteckte Ziele, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass wir ja noch mehr als 650 km von meiner neuen Wirkungsstätte entfernt im Herzen des Ruhrgebiets lebten. Die erste Offerte erreichte uns von meinem neuen Arbeitgeber: ein Kollege würde just zum 01.04. aus seiner 4-Zimmer-Wohnung in einem schönen Quartier in Horw in ein Haus zügeln, und vielleicht wäre das ja etwas für uns? Es war sehr nett und hilfsbereit gemeint, jedoch hatte die Wohnung drei sehr gravierende Nachteile: zum einen bestand absolut keine Chance, einen Stellplatz auch nur für ein Auto in direkter Nähe zu bekommen (ganz zu schweigen von zwei Wagen, die wir mitbringen würden), zum anderen war die Küche gerade halb so gross wie unsere bisherige (wohin mit all dem Geschirr und erst recht den Elektrogeräten?), hatte keine Geschirrspülmaschine und sah den Fotos nach zu urteilen aus als wäre sie locker 15 Jahre alt, doch am schwerwiegendsten war die Tatsache, dass es keine Möglichkeit gab, Waschmaschine und Trockner mitzubringen (nahezu neue Geräte, die gerade knapp zwei Jahre und ein Jahr alt gewesen wären) und stattdessen der in der Schweiz weitverbreitete Waschplan mit Gemeinschaftswaschmaschine das Zepter schwang (eine sehr erfrischende Geschichte rund um dieses zentrale Element des nachbarschaftlichen Miteinanders findet ihr hier). „Sie wären dann nur alle drei Wochen dran, aber immerhin könnten Sie dann die ganze Woche über komplett waschen“. Mit einem Neugeborenen? Danke, nein, da war ich schon mal, muss ich nicht wieder hin, oder so…..

Günstig wäre sie gewesen, ja, gerade mal 1’400 CHF pro Monat, für ca. 100 qm. „Wieviel bitteeee?“, höre ich es jetzt aus allen Ecken schallen. Ihr habt richtig gelesen, und ich habe auch keine Null zuviel eingegeben – für hiesige Verhältnisse wäre das ohne die genannten Haken und Ösen ein echtes Schnäppchen gewesen. In EUR umgerechnet nach aktuellem Kurs (ca. 1: 1,20) also gute 1’180 EUR. Ja, den Schock muss man erst einmal verdauen. Es kommt allerdings noch besser, wartets ab 😉

Da wir die Hilfsbereitschaft meines neuen Arbeitgebers nicht überstrapazieren wollten, entschieden wir uns für den Versuch, die Wohnungssuche erst einmal allein bewältigen zu wollen. Im Hallo-Schweiz-Forum fand ich dazu drei wertvolle Tipps: erstens der Hinweis auf die beiden Websites homegate.ch sowie immoscout.ch, zweitens eine durchaus ernüchternde Information über unsere Chancen als Ausländer, eine gleichzeitig schöne wie günstige Bleibe zu finden. Wie wohl überall gehen auch in der Schweiz die absolut besten Lagen in erster Linie unter der Hand weg, und falls sich das nicht ergibt, dann spätestens über die klassischen wöchentlichen Quartier-Käseblättchen. Wenn eine Wohnung den Weg in eine der Inserat-Plattformen findet, dann ist sie entweder schon deutlich teurer oder hat irgendwelche Mängel/Makel (oder im schlimmsten Fall beides). Hier griff dann Tipp Numero drei: insbesondere dann, wenn man einen schon unterschriebenen und insbesondere gut dotierten unbefristeten Arbeitsvertrag vorweisen kann, steigen die Chancen auf einen Zuschlag für eine Wohnung deutlich, wenn man gezielt nach sogenannten Erstbezügen sucht. Das sind Wohnungen in Neubauten, die erstmals vermietet werden. Der Trick: sehr oft werden die kompletten Überbauungen schon weit vor der Fertigstellung auf den Immo-Websites inseriert, so dass man nicht um eine einzelne Wohnung mit anderen konkurriert, sondern der Vermieter froh ist, die Interessenten auf viele Wohnungen gleichzeitig verteilen zu können. Unter http://www.erstbezug.ch/ findet ihr übrigens eine hervorragende Website, die praktisch alle aktuellen Neubauten auflistet, egal ob zur Miete oder als Stockwerkeigentum, und natürlich auch zu den jeweiligen Projekt-Webseiten verlinkt, wo man dann die wesentlichen Details finden kann.

In unserem speziellen Fall spielte uns zudem eine weitere Schweizer Besonderheit positiv in die Hände, nämlich die sogenannten Zügeltermine. Irgendwie ist es hierzulande historisch gewachsen und vielfach noch in älteren Mietverträgen verankert, dass eine Wohnung nur zum 31.03. oder zum 30.09. eines Jahres gekündigt werden kann (oder, falls man ausser der Reihe zügeln will, muss man einen vom Vermieter akzeptierten Nachmieter finden, der den bestehenden Mietvertrag 1:1 übernimmt). Genau solch ein Zügeltermin lag in unserem Zeitfenster, und das bewirkt per Default, dass zu diesem Zeitpunkt dann wesentlich mehr Wohnungen frei werden als zu anderen Zeiten – mit dem Resultat, dass es nochmals weniger Bewerber für die Neubauten gibt.

Inzwischen war es Ende November, und wir entschieden nach den ersten Misserfolgen (bewusster Altbau, dazu eine Absage für ein binnen 18 Stunden ab Inserierung vergriffenes 2’300-CHF-Maisonette direkt an der Reuss in Laufweite zum Büro sowie zwei vergeblichen Kontaktaufnahmen zu privaten Vermietern) also weiter, uns nun auf Erstbezüge und Neubauten mit Baujahren ab 2009 und neuer zu konzentrieren. Binnen kürzester Zeit hatte ich gut zwei Dutzend Inserate im Umkreis von 30 Fahrminuten um Luzern herum zusammengetragen, die entweder zum 01.04. fertiggestellt und bezugsbereit wurden oder zu diesem Datum freie Wohnungen aufweisen würden. Unser Suchraster: mindestens 4 Zimmer, mindestens 90 qm, idealerweise gute ÖV-Anbindung, Balkon oder Terasse, Tiefgarage/Stellplatz, Anschlüsse für eigene Wama/Tumbler-Kombi in der Wohnung oder im Keller. Übrigens sind moderne Einbauküchen hier standardmässig schon in der Wohnung drin (Randbemerkung: wir brauchten also für unsere deutsche Wohnung zwingend einen Nachmieter, der unsere vorhandene Küche zu einem fairen Preis übernehmen würde), und vielfach findet man hier auch in Mietwohnungen nicht billiges Laminat, sondern wertigen Parkettboden.

Der Preis für eine solche Wohnung, fragt ihr? Nun, um auf die 1’400 CHF des Altbauschnäppchens von oben zurückzukommen: für moderne Neubauten in der genannten Ausbau/Komfortstufe, vielleicht noch mit Lift im Haus, moderner Heizungsanlage und insgesamt sogenanntem Eigentumsstandard, muss man im Grossraum Luzern durchschnittlich 18 bis 22 CHF pro Quadratmeter einkalkulieren – 100qm Wohnfläche liegen also im Schnitt bei 1’800 bis 2’200 CHF (immerhin „warm“, also inkl. der verglichen zu Deutschland erheblich niedrigeren Nebenkosten – meist etwa 10-15% der Nettomiete). Das tut richtig weh, wenn man noch deutsches Einkommensniveau gewohnt ist und folglich buchstäblich alles noch von Schweizer Franken in Euro umrechnet, und es tut doppelt weh bei dem Gedanken, dass ja die meistens fällige Kaution von ein bis zwei Bruttomieten und auf jeden Fall die erste Monatsmiete noch mit dem in Deutschland erwirtschafteten Geld berappt werden müssen. Deutsche Preisvorstellungen sollte man in Sachen Miete am besten ganz schnell begraben, es sei denn man will als Student hin und sucht einfach ein WG-Zimmer, hat keine Ansprüche an den Wohnraum (ein 40qm-1-Zimmer-Wohnklo kostet selbst in Zürich „nur“ ca. 800-1’000 CHF) oder hat Freunde hier, bei denen man die erste Zeit bleiben kann, um in Ruhe nach einem Traumschnäppchen suchen zu können.

Doch zurück zu unserer Suche. Wir sortierten die gefundenen Objekte nach den uns vorliegenden Informationen aus Inseraten, Websites und Google-Maps-Satellitenbildern, versahen diese mit Favorisierungswert und schrieben die jeweiligen Anbieter an. Ich erwähnte jeweils gleich in meiner Email unsere deutsche Herkunft, den unbefristeten Arbeitsvertrag inkl. ungefährer Dotierung, den bevorstehenden Nachwuchs und bat um Vorschläge für einen Besichtigungstermin Mitte Dezember. Von den rund 25 Objekten erhielten wir binnen 72 Stunden etwa 12 Antworten (weitere 5 liessen sich etwas länger Zeit, der Rest kann unter „fremdenfeindlich“ bzw. „nicht interessiert“ abgehakt werden). Erfreulicherweise deckten sich viele der schnell Antwortenden mit unserer Favoritenliste, und so vereinbarte ich für drei relativ nah beieinander liegende Objekte Termine (in der Hoffnung, fündig zu werden und nicht eine zweite Runde einläuten zu müssen).

Unser Topfavorit, eine Überbauung mit noch zwei freien 4,5-Zimmer-Wohnungen (ca. 102 qm zzgl. 26 qm Balkon bzw. Terasse) und fünf freien 5,5-Zimmer-Wohnungen (ca. 118 qm zzgl. 25 qm Balkon/Terasse) in ruhiger Lage in der Gemeinde Malters, nur ca. 9 km westlich von Luzern, war mein erster Lokaltermin.
Zum Zeitpunkt meines Besuchs war gerade das Gebäude gebaut, innen war noch alles Rohbeton bzw. nur teilweise verputzt, aber dank der ausführlichen Website und einigen Fotos der fertigen Wohnungen aus einem ein Jahr zuvor fertiggestellten Haus derselben Überbauung mit Stockwerkeigentum hatten wir eine recht genaue Vorstellung davon, wie es mal in fertigem Zustand aussehen würde.
Vor Ort stellte ich fest, dass es mit der Waschmaschine im Bad in der 4,5-Zimmer-Wohnung schon sehr eng werden würde (ohne Garantie des Vermieters, dass es überhaupt passen würde), und die Preisdifferenz zwischen 4,5 und 5,5 Zimmern lag bei „nur“ 280 CHF, also schwenkte ich schnell zur grösseren Wohnung um. „Warum denn die Wohnung im EG um 100 CHF teurer wäre als die im 1. OG?“, fragte ich bei der sehr freundlichen und hilfsbereiten Verwalterin höflich an. „Na, da haben Sie zusätzlich zur Terasse noch einen kleinen Garten zur exklusiven eigenen Nutzung dabei“, erhielt ich zur Antwort. Und, „Sie müssen wissen, für uns Schweizer ist so ein Garten in einer Mietwohnung eine recht seltene Besonderheit“ (ist ja in Deutschland auch nicht anders). Ich war bass erstaunt, denn auf der Website fand sich dazu keine Angabe, also war mein Interesse absolut geweckt. Ja, selbstverständlich dürfte ich mich noch mit meiner Lebensgefährtin besprechen, ich solle einfach kurzfristig Bescheid geben, ob wir uns schlussendlich für die Einheit im 1. OG oder für die im EG bewerben wollen würden.

Nach dem Termin machte ich einen Abstecher zu meinen zukünftigen Arbeitskollegen und erzählte ihnen von der Besichtigung, und die Reaktion war sinngemäss (ein Schweizer würde sich nie so direkt ausdrücken): „Carsten, wenn du die Wohnung mit dem Garten nicht nimmst, kriegst du Schläge. Insbesondere bei der Ausstattung ist die Wohnung ein Traum, egal wie teuer sie ist“. Klingt nach einer deutlichen Aussage, oder?

Den zweiten Termin nahm ich noch wahr, fand aber schon beim Warten auf die Vermieterin vor der Haustür den dank Google Maps schon erahnten eklatanten Nachteil der Wohnung heraus – keine 50 m Luftlinie entfernt führte ein mindestens im Halbstundentakt bedienter Bahndamm vorbei. Auch meine Schweizer Kollegen hatten mir schon angekündigt, dass nur 2’300 CHF für ca. 110 qm in der steuergünstigsten Gemeinde Luzerns namens Meggen einfach zu wenig sind, da müsse irgendwo noch ein riesiger Pferdefuss stecken. Drinnen stellte ich dann noch fest, dass jedes Zimmer ein anderes Bodenniveau hatte (von jedem Raum in jeden anderen also immer eine kleine Stufe), zentraler Waschplanzwang herrschte und die Waschmaschine obendrein eine Zahluhr hatte. Danke, abgehakt.

Den dritten Termin (ebenfalls in Meggen, ebenfalls ca. 2’300 CHF) sagte ich dann kurzfristig ab, da die Entscheidung eigentlich schon gefallen war. Noch am Flughafen aufs Boarding wartend schrieb ich der Verwalterin aus Malters, dass wir die 5,5 Zimmer mit Garten gerne bekommen würden. Am 17.12. brachte ich unsere offizielle Bewerbung zur Post, und am 03.01.2011 erhielt ich vorab eine Email mit der definitiven Zusage für die Wohnung, wenige Tage später dann den Mietvertrag per Post. Ein Stein fiel uns vom Herzen, denn damit war die allergrösste Hürde unseres Abenteuers genommen. Nun musste „nur noch“ der Neubau rechtzeitig fertig werden und eine Spedition zur Bewältigung des Umzugs gefunden werden.

Und hier noch ein paar Tipps für die erfolgreiche Wohnungssuche:

  • Nicht im Niedrigpreis-Segment nach Wohnungen suchen (was in dem Sektor im Internet auftaucht, muss fast zwangsläufig gravierende Mängel oder Nachteile aufweisen)
  • Eher nach Neubauten mit gehobener Ausstattung und Erstbezügen suchen – ist zwar deutlich teurer, aber so gibt es weniger Konkurrenten, und man fühlt sich nicht genötigt, kaum in der Schweiz angekommen gleich die nächste Wohnung zu suchen
  • Nach sogenanntem angemessenem Wohnraum suchen; wer sich als Single für eine 140qm-Wohnung bewirbt, erweckt Argwohn; wer als Familie mit vier Kindern eine 3-Zimmer-Butze haben will, ebenfalls
  • Schweizer Wohnungen werden nicht nach ihrer Wohnfläche klassifiziert, sondern nach Zimmeranzahl; nur den vielen zuwandernden Ausländern zuliebe wird es auch hier nach und nach gang und gäbe, die Wohnfläche mit anzugeben. Ist das mal nicht der Fall, dann immer danach fragen, denn es gibt hier auch 4-Zimmer-Wohnungen, die dann nur 60 qm Wohnfläche haben.
  • Speziell für die Romandie (französischsprechende Schweiz) gilt: die Küche zählt als Zimmer mit!
  • Faustregel, was die Wohnung kosten darf: nicht mehr als 25% vom Haushalts-Bruttoeinkommen, nicht mehr als 35% vom Nettoeinkommen. Wer diese Schwellen deutlich reisst, erweckt bei Vermietern die Sorge, nicht mit Geld umgehen zu können, ergo hat man eh kaum noch Chancen, gegen andere Bewerber zu bestehen
  • Auf comparis.ch gibt es eine wunderbare Funktion, zu einer konkreten Anschrift eine Historisierung abrufen zu können, welche Mietangebote an genau dieser Stelle in den letzten Jahren verfügbar waren (aggregiert Homegate, Immoscout und andere) – so lassen sich Objekte mit überproportional hoher Mieterfluktuation schnell ausfiltern, denn das deutet stets auf Mängel oder Ärger mit der Nachbarschaft hin
  • Wenn euch ein Objekt interessiert, die erste Kontaktaufnahme sehr höflich formulieren und so wie wir deutlich schreiben, dass man Ausländer (schlimmer noch: Deutscher) ist, ausserdem die Bereitschaft erklären, bei einer Besichtigung sowohl Arbeitsvertrag als auch Schufa-Selbstauskunft mitzubringen. Meldet sich der Vermieter dann nicht binnen einiger Tage, lohnt sich das Nachfassen erst gar nicht, also einfach abhaken und weitersuchen
  • Bei der Besichtigung die bewussten Dokumente auch tatsächlich im Original mitbringen (und ggf. Kopien, um sie dem Vermieter gleich auszuhändigen)

Wer immer noch erschüttert über die Höhe der Mietpreise ist, dem sei kurz etwas zur Leerstandsquote gesagt. Diese beträgt schweizweit per Juni 2009 gerade einmal 0,90% (Quelle: hier). Da ist es kein Wunder, dass die Mietpreise insbesondere in den letzten Jahren so drastisch angezogen haben. Und zumindest zum Teil sind wir hochqualifizierten Zuwanderer daran mitschuldig, nicht zuletzt halt auch, weil wir praktisch keinen Zugang zu den preiswerten Objekten haben.

Zum heutigen Abschluss hier noch der Grundriss unserer Wohnung (sie ist so gerade eben rechtzeitig bezugsbereit gewesen, dazu später einmal mehr):

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.caits.de/2011/40/nestbau-bzw-suche

Jun 23 2011

Planung ist alles, Teil 2

Gestern ging es primär erst einmal um die Entscheidung „Tun wirs, oder lassen wirs?“, aufbauend auf einem konkreten Jobangebot. In Grundzügen kann man solche Überlegungen natürlich auch ohne treffen, allerdings geht man dann natürlich ein erheblich höheres Risiko ein. In Deutschland wird zwar trotz hoher Arbeitslosigkeit über Fachkräftemangel wehgeklagt, wohingegen dieser in der Schweiz auch real ganz massiv vorhanden ist (die für Schweizer Sichtweise vergleichsweise hohe Arbeitslosenquote von etwa 3 Prozent wäre in Deutschland fast schon als Vollbeschäftigung zu bezeichnen). Dennoch ist man am Schweizer Arbeitsmarkt nur mit einer hohen Qualifikation für potenzielle Arbeitgeber von Interesse. Mit einem reinen Ausbildungsberuf ohne akademisches Tüpfli oben drauf, bzw. ohne irgendwelches hochseltenes Spezial-Knowhow, rangelt man durchaus mit etlichen hundert anderen Bewerbern um die gleiche offene Stelle, und dreimal dürft ihr raten, wer da wahrscheinlich den Zuschlag erhalten wird.

Komfortabler ist es also in jedem Fall, wenn man schon eine Stelle in der Schweiz in petto hat. Es ist zwar prinzipiell möglich, auch als Stellensuchender eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen (immer unter der Voraussetzung, EU-Bürger zu sein), diese ist jedoch in aller Regel dann auf maximal ein Jahr befristet (also L-Bewilligung), und man muss seinen Lebensunterhalt auf jeden Fall ohne amtliche Hilfe bestreiten. Schlimmer noch: hat es dann innerhalb des Bewilligungzeitraums mit der Jobsuche nicht geklappt, ist es unwahrscheinlich, dass die Bewilligung verlängert wird, ergo müsste man wieder ausreisen. Muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, meins wärs nicht.

Gehen wir nun einmal davon aus, ihr habt euch für den neuen Lebensabschnitt in der Schweiz entschieden (muss ja nicht notwendigerweise auf Dauer angelegt sein, vielfach wollen Menschen auch einfach nur mal für einige Jahre etwas Umgebungsänderung mit Auslandserfahrung kombinieren). Dann kommt auf jeden Fall jetzt eine Menge Arbeit zu, die bis zum ersten Arbeitstag in der Schweiz bewältigt werden will, und die man sehr grob in drei Phasen unterteilen kann: erstens vor der Auswanderung, zweitens das eigentliche Zügeln, und drittens nach der Ankunft. Für viele mag das auf den ersten Blick sehr überschaubar erscheinen, „ist doch auch nicht viel anders als von Stadt A in Stadt B umzuziehen (Helvetismus: zu zügeln)“. Das ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum, denn zum einen handelt es sich um ein anderes Land („schlimmer noch“: sogar um ein Land ausserhalb der EU), zum anderen wirkt sich hier die von den Schweizern vielgerügte Arroganz von „denen da drüben aus dem grossen Kanton“ aus – auch wenn zumindest in einem relativ grossen Teil der Schweiz, der sogenannten Deutschschweiz, Hochdeutsch die Amtssprache ist, so trifft man hier doch auf sehr vielfältige kulturelle Unterschiede zwischen den Deutschen und den Schweizern, egal wie subtil diese auf den ersten Blick auch wirken mögen. Unter anderem diese Unterschiede bedingen es, dass man sich auf die Auswanderung hierhin nicht vollkommen unvorbereitet einlassen sollte.

Mal wieder eine Faustregel: je besser ihr euch vorbereitet, je besser ihr über die Unterschiede und die Abläufe auf den verschiedenen Ämtern, die unterschiedlichen sozialen Systeme etc. informiert seid, desto reibungsloser wird das Unterfangen ablaufen, und umso freundlicher und offener wird man euch aufnehmen. Das Motto „lassen wir es mal auf uns zukommen“ wird gerade uns Deutschen hier schnell mal als typische Arroganz ausgelegt – kein gutes Startsignal, würd ich mal behaupten, gell.

Von daher: Planung ist alles.

In den angesprochenen drei Phasen wiederum sind etliche Dinge zu erledigen und zu regeln. Wiederum recht grob kann man das aufteilen in

  • Passende Mietwohnung in der Schweiz finden (Hauskauf ist mal wieder ein Thema für sich)
  • Alte Mietwohnung kündigen bzw. Haus verkaufen bzw. Mieter für eigenes Haus suchen
  • Finanzielles sowohl in der alten wie der neuen Heimat regeln
  • Versicherungstechnisches in alter und neuer Heimat regeln
  • Sofern schulpflichtige Kinder mit von der Partie sein sollten: Schulab- und Schulanmeldung
  • Umzug organisieren (inkl. Fahrzeuge)
  • Ausweisangelegenheiten regeln

In jeder Kategorie wiederum finden sich individuell unter Umständen etliche Teilaufgaben, und viele der Einzelaufgaben setzen voraus, dass andere Dinge zuvor erledigt worden sind.

In unserem Fall kam dann noch hinzu, dass wir Ende Oktober feststellten, die Auswanderung in die Schweiz zwar als Paar zu beginnen, dort aber dann ab Ende Juni als kleine Familie Verstärkung durch unser erstes Kind zu bekommen. Das bestärkte insbesondere mich darin, die Idee einer guten und ausführlichen Planung mit einer umfangreichen Checkliste als gut und wichtig zu befinden. M. und ich einigten uns der Einfachheit halber darauf, dass sie sich um alle Aspekte der Schwangerschaft und des Nestbaus kümmern würde, während ich den Part der Auswanderung übernehmen würde, wobei wir uns regelmässig gegenseitig sozusagen ins aktuelle Bild setzen würden. Das hat in der Retrospektive betrachtet hervorragend funktioniert und uns beide doch sehr entlastet.

Meine Checkliste mit all unseren offenen Punkten entstand primär unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung, war allerdings auch einem steten Wandel unterworfen. Es sind immer wieder mal neue Punkte hinzugekommen, und andere Dinge, von denen wir zuerst dachten, dass sie unbedingt noch zu erledigen wären, fielen ab und zu auch mal einfach wieder durchs Raster. Der Einfachheit halber habe ich eine vollkommen unpriorisierte Offene-Punkte-Liste in Word erstellt, die zum Schluss gut gefüllte fünf Din-A4-Seiten umfasste. Bis auf die wenigen Punkte, die die erfolgreiche Geburt unserer Kleinen voraussetzen, ist die Liste per Stand heute quasi vollständig abgearbeitet, auf einen Zeitraum von ca. 4 Monate vor der Auswanderung und knapp drei Monate nach der Auswanderung gestreckt.

In den nächsten Tagen werde ich euch nach und nach die wichtigsten Punkte vorstellen, denn vielfach liegt der Teufel im Detail, und so manche hilfreiche Info kommt einem nicht zugeflogen, sondern erfordert harte Recherche in der vermeintlich allwissenden Müllhalde.

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