Jun 22 2011

Planung ist alles, Teil 1

Schon während unseres Herbsturlaubs, als noch gar nichts Handfestes vorlag, begannen M. und ich verschiedene Optionen durchzuspielen. Unter anderem stand für einen kurzen Moment die Idee im Raum, sogenannter Grenzgänger zu werden, also den Wohnsitz in einen grenznahen Ort auf deutscher Seite zu verlegen und täglich mit dem Wagen nach Luzern zu pendeln. Steuerlich wäre dies genau dann eine interessante Option geworden, wenn man davon ausgeht, dass ich in jedem Kalenderjahr mehr als 60 Nächte auswärts in der Schweiz verbringe (denn dann reduziert sich das in Deutschland zu versteuernde Einkommen erheblich, und obendrein wird die schon in der Schweiz einbehaltene Quellensteuer angerechnet). Eine genauere Betrachtung der so zu erwartenden täglichen Fahrstrecke und –zeit führte aber ruckzuck dazu, diese Option zu streichen.

Somit stand fest, dass es eine Auswanderung nach dem Schema „ganz oder gar nicht“ werden würde. Auf jeden Fall gut, das schon vorab geklärt zu wissen, denn dann ist gewährleistet, dass sich alle Beteiligten über die Konsequenzen der Annahme des Jobangebots im Klaren sind. Insofern können wir es nur empfehlen, sich frühzeitig und insbesondere vor Unterzeichnung irgendwelcher Unterlagen (egal ob Arbeitsvertrag, Vorvertrag oder sonst was) über diesen wesentlichen Aspekt zu einigen, insbesondere dann, wenn der potenzielle Arbeitgeber nicht in Grenznähe zu Deutschland sitzt, sondern wie in unserem Fall mitten in der Zentralschweiz.

An dieser Stelle schon einige wertvolle Tipps an alle, denen gerade das Jobangebot aus der Schweiz ins Haus flattert (egal ob aus einer Initiativbewerbung, durch Ansprache von einem Headhunter oder wie auch immer entstanden):

  1. Ideal wäre natürlich ein unbefristeter Arbeitsvertrag, denn zum einen gibt der eine gewisse Planungssicherheit, zum anderen ergibt sich für EU-Staatsbürger dank der seit 2007 geltenden Freizügigkeitsabkommen daraus (oder aus einem auf mehr als ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag) in den meisten Kantonen quasi automatisch eine für 5 Jahre gültige B-Aufenthaltsbewilligung (wie ihr früher oder später feststellen werdet, ist in der Schweiz aufgrund des föderalen Charakters der Eidgenossenschaft sehr vieles von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt, und viele Schweizer pflegen diesen sogenannten Kantönligeist nicht nur aus Tradition).

    Habt ihr zum Zeitpunkt der Einwanderung keinen oder nur einen auf max. 364 Tage befristeten Arbeitsvertrag, bedeutet das automatisch „nur“ eine auf maximal ein Jahr  befristete L-Bewilligung, die dann jährlich zu erneuern wäre. Letzteres wird spätestens bei anhaltender Arbeitslosigkeit ein ernstes Problem, denn wir Ausländer dürfen zwar das soziale System mit unseren Beiträgen füttern, so lange wir einen Job haben, sollten den gleichen Systemen aber nicht allzu lange auf der Tasche liegen. Als Grenzgänger gibt es übrigens das jährlich zu verlängernde „G“ als Bewilligung, und die zum dauerhaften Aufenthalt berechtigende C-Bewilligung (auch: Niederlassungsbewilligung) erhält man frühestens nach Ablauf von fünf Jahren, und auch dann nur, wenn weitere Voraussetzungen (z.B.: kein Führerscheinentzug innert der vergangenen fünf Jahre, keinerlei Straffälligkeit etc.) erfüllt sind.

  2. In jenem Arbeitsvertrag sollte eine Probezeit zwischen einem und maximal drei Monaten vereinbart sein; längere Fristen sind hierzulande eher unüblich.
  3. Üblicherweise (zumindest in den meisten Branchen, abgesehen von klassischen Tagelöhner-Branchen) wird kein Stundenlohn oder Jahresgehalt vereinbart, sondern ein Monatsgehalt. Sehr häufig ist ein 13. Gehalt zum Jahresende üblich.
  4. In der Schweiz wird mehr und länger gearbeitet als in Deutschland. Wenn ihr euch an 35 oder noch geringere Wochenarbeitszeiten gewöhnt habt, ist die Schweiz nichts für euch, denn hier sind 40 bis 42 Wochenstunden eher die Regel als die Ausnahme. Gleichzeitig gibt es aber auch noch erheblich weniger Jahresurlaub – 20 Tage (bezogen auf eine 5-Tagewoche, also vier Kalenderwochen) pro Jahr sind die Regel, 25 Tage (also fünf Wochen) schon die Ausnahme. Für einige ist dies eine wichtige Information, die ach so hohen Gehälter der Schweizer zu relativieren.
  5. Als Arbeitnehmer sind wir Ausländer quellensteuerpflichtig. Das bedeutet, in Abhängigkeit vom Bruttogehalt wird jeden Monat ein fester Prozentsatz des Gehalts als Einkommensteuer einbehalten (soweit erst einmal kein Unterschied zu Deutschland). Der wesentliche Unterschied zu deutschen Einkommensverhältnissen liegt darin, dass zum Jahresende keine Steuererklärung erfolgt, es also keinen Lohnsteuerjahresausgleich gibt. Variiert das Gehalt von Monat zu Monat, ist auch der Quellensteuerabzug stets unterschiedlich, und es findet keinerlei Mittelung übers Jahr verteilt statt.

    Die Höhe der Quellensteuer ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich, und ausschlaggebend ist nicht der Sitz des Arbeitgebers, sondern der Wohnort-Kanton. Eine sogenannte nachträgliche ordentliche Veranlagung steht nur dann zur Verfügung, wenn man in die sogenannte Säule 3A einzahlt (sehr grob mit Riester/Rürup vergleichbar, also eine steuerlich geförderte private Vorsorge – dazu später man irgendwann mehr), oder wenn man im Kalenderjahr ein Gesamteinkommen von mehr als 120’000 CHF (in Genf: 500’000 CHF) hatte (dann wird sie verpflichtend).

    Schweizer Staatsbürger hingegen zahlen ihre Einkommensteuer in der Regel jährlich (auf Antrag kann man übers Jahr verteilt aber vielfach freiwillig schon anteilig seine zu erwartende Steuer abführen) und im Voraus (autsch, gell? Deshalb ist bei vielen Schweizern dann auch das 13. Gehalt quasi automatisch schon futsch und verplant).

  6. Selbstverständlich treibt euch beim Lesen eures Jobangebots eine essenzielle Frage um: „Wird das angebotene Gehalt denn überhaupt für uns reichen, und stehen wir damit besser oder schlechter als in Deutschland da?“ Hierbei handelt es sich um die im Forum auf „Hallo Schweiz“ wohl am häufigsten gestellte und meistgehasste Frage, denn hierzu gibt es keine sinnvolle pauschale Antwort. Echt nicht. Wirklich nicht. Nein, wirklich wirklich nicht. Dazu lebt jeder halt einfach zu unterschiedlich verglichen mit allen anderen, und jeder hat andere Vorlieben und Must-Haves.

    So sind beispielsweise die Mieten in der Schweiz ganz erheblich teurer als in Deutschland (später mehr dazu), und insbesondere Rind- und Schweinefleisch sind wahre Luxusgüter (Geflügel hingegen ist nur moderat teurer als in Deutschland). Auf der Gegenseite sind elektrischer Strom und viele Hightech-Elektronikgeräte teils deutlich preiswerter. Und da sich nun einmal jeder Warenkorb von Haushalt zu Haushalt arg unterscheidet, kann man das nicht pauschalisieren.

    Dennoch gibt es eine Faustregel als den Zeiten, als das Kursverhältnis von EUR zu CHF noch deutlich jenseits der 1.40er Marke lag: man addiere seine gesamten deutschen Lebenshaltungskosten in EUR gerechnet zusammen, multipliziere diesen Wert mit dem Faktor 2 und tausche das Währungssymbol in CHF aus. Aus 1’500 EUR Lebenshaltungskosten in Deutschland werden so grob übern Daumen gepeilt etwa 3’000 CHF, ohne sich zu verbessern oder zu verschlechtern.

    Eine weitere gute Hilfestellung liefert die Website http://www.budgetberatung.ch/. Diese stellt für die unterschiedlichsten Einkommen und Haushaltsgrössen kostenfrei Musterbudgets als PDF zum Download bereit. Achtung: alle diese Muster beziehen sich auf den Schweizer Begriff des Nettolohns, also nach Abzug der Sozialabgaben (ex Krankenversicherung), aber vor Abzug der Steuern und Krankenversicherung, und ohne Berücksichtigung des 13. Monatsgehalts. In diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig zu wissen: Das Sozialhilfeniveau hier liegt aktuell etwa bei 2’300 CHF, und ein Haushaltseinkommen unter 4’600 CHF gilt als arm.

    Zitat: „Die Armutsgrenze liegt bei 2490 Franken für einen Einpersonenhaushalt und bei 4603 Franken für ein Paar mit zwei Kindern. Liegt das Einkommen nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und der Steuern unter dieser Grenze, gilt man als arm. Zur Berechnung werden Grundbedarf wie Lebensmittel, Kleidung, Verkehrsmittel, Kommunikation und Energie sowie eine mittlere Miete und eine durchschnittliche Krankenkassenprämie herangezogen.“

    (Quelle dazu)

Das sind nur die ersten wichtigen Tipps zur Entscheidungsfindung, die ausschliesslich finanzielle Aspekte berücksichtigen. Letztendlich sollten diese aber nur zur Entscheidung für oder gegen eine Auswanderung beitragen, jedoch keinesfalls ausschliesslich herangezogen werden. Für eine Entscheidung von erheblichem Wert sind noch ganz andere Aspekte, wie

  • Gefällt mir die Landschaft? Bin ich / sind wir wintersport- oder bergwander-begeistert? Oder touren wir gerne mit dem Rad oder dem Töff (bedeutet: Motorrad) durch die Gegend?
  • Komme ich mit dem Gedanken klar, von einem Tag auf den anderen selbst der Ausländer/die Ausländerin zu sein, und dies auch zeitlebens zu bleiben? Merke: gerade als Deutsche werden wir eigentlich immer aufgrund unserer vorwiegend hochdeutschen Aussprache als solche zu erkennen sein (auch wenn Leute aus den neuen Bundesländern oder dem süddeutschen Raum mit ihren sehr deutlichen eigenen Dialekten es pauschalisiert ein kleines Bitzli einfacher mit der Integration haben werden als Deutsche aus anderen Regionen, wird man auch sie stets an der Aussprache als Deutsche erkennen).
  • Neige ich eher dazu mich „unter meinesgleichen“ einzuigeln, oder gehe ich offen auf fremde Menschen und Kulturen zu und bemühe mich um Integration? Es ist sicherlich hilfreich, wenn man eher ein „Vereinsmensch“ ist, denn so findet man sehr schnell Anschluss.
  • Ist mein Fell dick genug, hin und wieder auch mal eine Titulierung als „Sauschwoob“ oder dergleichen verkraften zu können (Ewiggestrige, die einem nicht die Wurst auf dem Butterbrot gönnen und sich stets als von „den Ausländern“ übervorteilt empfinden, gibt es überall, so auch in der Schweiz)? Habe ich Kinder, und falls ja, verkraften diese es, dauerhaft aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld gerissen zu werden?
  • Habe ich in Deutschland noch fixe finanzielle Verpflichtungen (insbesondere laufende Kredite), die ich nicht vorzeitig lösen/tilgen kann (trifft heuer sehr häufig auf Haushalte mit auf Pump gekauften PKW zu, und das wird dann spätestens 12 Monate nach der Einreise in die Schweiz ein Problem, wenn der Wagen in der Schweiz zugelassen werden muss)?
  • Habe ich wenigstens einige tausend Euro auf der hohen Kante, die ich in das Abenteuer Auswanderung investieren kann? Damit wir uns da richtig verstehen: ohne ein finanzielles Polster, das ausreichend dick ist, um mindestens drei Schweizer Monatsmieten sowie die sonstigen Lebenshaltungskosten für mindestens einen Monat zzgl. der Kosten für Umzugsspedition oder Mietlaster bequem bezahlen zu können, wird es wahrscheinlich sehr schwierig.

    Ihr müsst nämlich folgendes überlegen:
    für die Wohnung ist mindestens eine Netto-Monatsmiete, meist sind zwei Monatsmieten Kaution (hier: Depot) fällig, mindestens die erste echte Monatsmiete muss ebenfalls noch aus deutschem Einkommen bestritten werden, und bis das erste Schweizer Gehalt auf dem Konto eingegangen ist, will man auch etwa einen Monat lang satt werden und nicht verdursten, also wird das noch in Deutschland erwirtschaftete Sparguthaben nochmals belastet.

    Für eine seriöse Spedition, die euch den Möbeltransport abnimmt, ist ebenfalls ein bemerkenswerter Anschaffungswiderstand (gemessen in Euro) zu leisten (für unseren 2-Personen-Haushalt mit ehemals 71qm Wohnfläche bei einer zu überwindenden Strecke von 650 km waren das allein schon gut 2’800 EUR). Die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zeitweise fällige doppelte Haushaltsführung ist da noch gar nicht berücksichtigt bei.

    Auch die Idee, für die Auswanderung einen Kredit aufzunehmen, solltet ihr euch besser gleich aus dem Kopf schlagen. Das erachte ich fast schon als Garant dafür, später einmal zur Belustigung der dummen Massen als wandelnder Lachsack auf der Mattscheibe in einer der berüchtigten Auswanderersendungen zu enden (am besten gleich dreifach: beim Auswandern, beim Scheitern als Rückkehrer und hinterher völlig überschuldet dann medienwirksam bei Herrn Zwegert). Butter bei die Fische, wie es im Ruhrpott so bildreich heisst: wir haben knapp einen fünfstelligen Betrag in die Hand genommen und unter die Leute verteilt (Details ebenfalls in einem späteren Beitrag).

  • Mir fallen noch etliche weitere zu beleuchtende Aspekte ein, aber dieser Post ist eh schon viel zu lang geworden – fühlt euch ermuntert, weitere Ideen in euren Kommentaren beizutragen.

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Jun 21 2011

Wie alles begann

Ich arbeitete seit rund sieben Jahren für eine Softwareentwicklungsfirma für Business-Software in Dortmund, die ihre wichtigsten Produkte vergleichsweise wenig mit eigenem Vertrieb, sondern sehr stark über ein Partner-Netzwerk verkauft und vertreibt. Zu den Schwerpunkten meiner Tätigkeit zählte die Schulung der Projektmanager dieser Partner in Installation und Anpassung unserer Produkte, aber auch das Coaching und Hilfestellung bei besonders komplexen Projektanforderungen. Diese Schwerpunkte brachten es mit sich, dass ich seit Jahren quer durch halb Europa gereist bin und mit den verschiedensten Partnern kooperiert habe. So lernte ich Anfang 2010 unter anderem auch meinen zukünftigen Schweizer Arbeitgeber kennen.

Mit dem Gedanken, über kurz oder lang Deutschland den Rücken zu kehren, spielte ich schon ziemlich lange, insbesondere da mich manch Entwicklung in der EU Richtung Überwachungsstaat sehr gestört hat, und speziell in Deutschland auch der Umstand, dass der gesellschaftliche Mittelstand immer mehr gemolken und ausgepresst wird, egal welche Koalition gerade das Sagen hat. Da ich zu den Leuten gehöre, die gerne Nägel mit Köpfen machen statt lediglich herumzulamentieren, habe ich stets zu meinen Freunden und Bekannten gesagt „da bleiben einem eigentlich nur zwei Möglichkeiten – entweder selbst in der Politik aktiv werden (und Gefahr laufen dann genauso korrumpiert zu werden wie alle anderen) oder halt auszuwandern“.

Im September/Oktober 2010 ergab es sich dann, dass der Geschäftsführer des Schweizer Partners und ich quasi zufällig miteinander in Kontakt traten, und während eines Emailaustauschs liess er durchsickern, dass er in seinem ECM-TEAM noch eine vakante Stelle habe – sinngemäss „ob ich nicht jemanden mit sehr detailliertem Knowhow zu unserem Produkt kenne, den es in die Schweiz ziehen würde“. Meine Lebensgefährtin M. und ich planten gerade einen zweiwöchigen Herbsturlaub, von dem die erste Woche mit dem Abschluss eines Drachenflugkurses in Südfrankreich schon gesetzt war. Ich zeigte M. jene Email, und sie meinte „das klingt ja fast so, als wolle er dir einen Job anbieten“. Ich konterte „genau darum handelt es sich auch“, gefolgt von „Was meinst du, soll ich das weiterverfolgen?“, und sie erwiderte dazu „klar, wenn das Angebot gut für dich ist, ziehen wir das durch“.

Ich schlief erst einmal eine Nacht drüber und begann vorsichtig, mich über die Lebenshaltungskosten und das Gehaltsgefüge in meiner Branche in der Schweiz zu informieren, um wenigstens grob abschätzen zu können, mit welchen Gehaltsvorstellungen ich in konkretere Verhandlungen eintreten könnte. Auch über einige grundlegende andere Dinge sammelte ich schon erste Informationen. Bewusst entschied ich mich dagegen, direkt zurückzumailen, sondern wollte den Beginn unseres Urlaubs abwarten und erst aus Frankreich heraus zurückschreiben.

So brachen wir nach Frankreich auf, und gegen Mitte der Woche schrieb ich endlich zurück, falls er konkretere und insbesondere längerfristige Pläne habe, wäre es evtl. ganz interessant, wenn wir zwei uns mal direkt zu einem Gespräch zusammensetzen würden. Wir wären „quasi grad in der Gegend, nur etwa 1.500 km entfernt, in Urlaub“, und wären für die Planung unserer Weiterreise weitgehend offen, zumal wir eh eine Städtetour entlang der Mittelmeerküste geplant hätten. Prompt erhielt ich umfassend Antwort und eine Einladung zu einem Gespräch mit zwei Terminvorschlägen. Es wäre super, wenn wir uns an einem der beiden Tage treffen könnten, und falls wir zusagten, würde er sich um ein Hotelzimmer für uns kümmern. So kam es, dass wir in der zweiten Oktoberhälfte während unserer Rückreise einen Zwischenstopp in Luzern einlegten. M. ging trainieren, ich machte mich auf den kurzen Fussweg zu meinem Gesprächstermin.

Während eines herrlich ungezwungenen Kaffeeplauschs über unsere Urlaube gingen wir dann eher zwischen den Zeilen und sozusagen nebenbei auf den eigentlichen Zweck unseres Treffens ein, und nach etwa eineinhalb Stunden und nur minimalen Abweichungen in unseren Gehaltsvorstellungen waren wir uns grundsätzlich handelseinig. Geplanter Arbeitsbeginn April 2011, so dass allen Beteiligten ausreichend Vorbereitungszeit zur verfügung steht – insbesondere uns, da wir fortan vieles vorzubereiten hatten.

Etwa eine Woche nach unserer Rückkehr ins Ruhrgebiet traf der erste Vertragsentwurf per Email ein, eine weitere Woche später waren die Entwürfe unter Dach und Fach, am 04.11.2010 waren die Verträge unterzeichnet und in trockenen Tüchern. Diese Sicherheit im Rücken, reichte ich am ersten mir möglichen Büro-Anwesenheitstag, dem 11.11. (allerdings erst gegen 14 Uhr, einen Karnevalsgag wollte und konnte ich terminlich bedingt nicht draus machen) meine Kündigung zum 31.03.2011 ein. Mein damaliger Chef war natürlich zuerst tief enttäuscht, erkannte jedoch von Anfang an an, dass ich mit offenen Karten spielte und auf reibungslose Projektabschlüsse sowie eine saubere Übergabe meiner vielfältigen Aufgaben an meine Arbeitskollegen abzielte.

Und so war der Grundstein für unser Projekt „Auswanderung“ gelegt.

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Jun 20 2011

Eine neue Ära

Am 19.12.2010 habe ich auf meinem alten Blog dessen Einstellung infolge meiner bevorstehenden Auswanderung in die Schweiz bekannt gegeben und in allen Posts bis auf jenen Letzten die Kommentarfunktion deaktiviert.

Am 29.03. dieses Jahres machte ich mich dann mit dem PKW auf den Weg Richtung Schweiz, wo ich in den frühen Abendstunden bei einem ehemaligen WG-Mitbewohner meiner Lebensgefährtin, der schon vor einigen Jahren den gleichen Schritt vollzogen hatte, in Herrliberg an der Zürcher Goldküste angekommen bin.

Am 30.03. machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Malters im Kanton Luzern, denn dort fand am späten Vormittag die Wohnungsübergabe an mich statt. Am drauffolgenden Tag, also am 31., kam dann der Möbel-LKW der Umzugsspedition mit unseren Möbeln an, und am 01.04. begann auch schon meine neue Arbeitsstelle (mir blieb es allerdings erspart als Aprilscherz in der Firma eingeführt zu werden, denn mein erster offizieller Arbeitstag war erst der 04.04.).

Zwischen den ersten Sondierungen betreffs neuem Arbeitgeber und dem Vollzug der Auswanderung lagen rund sechs Monate, und von Anfang an brütete in meinem Hinterkopf die Idee, die in diesem neuen Lebensabschnitt zu sammelnden Erfahrungen in Form eines neuen Blogs irgendwie festzuhalten. Zwar gibt es in Form der Website Hallo Schweiz ein durchaus beachtliches Kompendium samt angeschlossenem Forum mit einer Vielzahl an hilfreichen Informationen für andere Auswanderungswillige, jedoch musste ich wie so viele andere vor mir feststellen, dass es dennoch recht mühsam sein kann, sich alle wichtigen Infos zusammenzusuchen. Daher denke ich, dass es für Andere interessant, vielleicht sogar spannend, in jedem Fall aber hoffentlich hilfreich ist, wenn ich hier unsere persönlichen Erfahrungen ab Beginn der Planungsphase bis in den Alltag in komprimierter Form vorstelle. Dies wird der Zweck dieses Blogs werden, und aufgrund dieser thematischen Abgrenzung bleibt 4null4.de ein in sich geschlossenes und abgeschlossenes Projekt.

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